Girokonto Ratgeber – Alles auf einen Blick

Es bedarf keiner Diskussion: Ohne ein Girokonto kommt man heute nicht mehr aus. Das tägliche Managing der eigenen Finanzen braucht diesen zentralen Punkt, um das Gehalt zu bekommen, Miete und Versorgungstarife abbuchen zu lassen oder beim Online-Shopping bargeldlos zu bezahlen. Und damit nicht genug. Wofür braucht man ein Girokonto noch? Und was gibt es um diese Konten herum noch zu wissen? Was ist für die Eröffnung wichtig? Das erklären wir in diesem All inklusive-Ratgeber.

Girokonto in über 400 Jahre Geschichte

Die Geschichte des Girokontos beginnt bereits im mittelalterlichen Italien, wo bargeldlose Transaktionen, wie sie heute absoluter Standard sind, für Kreditzwecke zwischen reichen Familien notwendig wurden. Das neue private Bankwesen ging von Krediten recht schnell auch zum Sparen und Verwalten des eigenen Vermögens über und in Deutschland erhielten Girokonten dann 1619 erstmals in Hamburg Aufmerksamkeit. Dort war die klassenübergreifende Nutzung bereits fortgeschritten, also konnten nicht nur reiche Familien, sondern auch die einfachen Arbeiter (vor allem Handwerker) mit diesen Konten ihr Geld verwalten. Das war die Geburtsstunde der Sparkassen. Leute aus dem Mittelstand und der Landwirtschaft gingen zudem zeitgleich zu den aufkommenden Genossenschaftsbanken (heute z.B. Volks- & Raiffeisenbanken).

Hände schütteln

Großindustrien setzten wiederum auf die aufkommenden Aktienbanken (heute z.B. Deutsche Bank). Es entwickelte sich ein Banken-Filialnetz und Girokonten bekamen eine immer wichtigere und zentralere Rolle im täglichen Leben zugeteilt. Damals noch als hauptsächlich Sparkonten mit Einzahlung und Auszahlung, aber mit der Einführung von Postcheckämtern auch mit zunehmenden Möglichkeiten der Überweisungen und des Scheckverkehrs. Spätestens ab 1957, wo flächendeckend die Barauszahlung von Arbeitslöhnen auf das Überweisungssystem umgestellt wurde, kann man sagen, dass das Girokonto endgültig zum Standard wurde und quasi jeder eines besitzen musste, um das Gehalt zu bekommen. Bis heute entwickelte sich ein Bankensystem, bei dem mittlerweile alleine etwa 1.400 Häuser zu den genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken gehören. Die Gesamtanzahl der Banken beträgt über 2.000 in Deutschland. Das Girokonto ist bei all diesen Banken das Hauptangebot zur dynamischen Geldverwaltung – nebenher können Sparkonten, Festgeldkonten, Tagesgeldkonten, Kreditkartenkonten und Depotkonten laufen, die nicht im täglichen Zahlungsverkehr eingespannt sind, sondern auf denen Geld tatsächlich nur langfristig abgelegt wird.

Was sind die Vorteile eines Girokontos?

positivÜber den Punkt, wo das Girokonto hauptsächlich für den Gehaltsempfang genutzt wurde, sind wir längst hinaus. Vermutlich war genau dies um 1960 herum der Hauptvorteil und Grund, warum man ein Girokonto eröffnete. Heute tummeln sich eine ganze Menge Vorteile in Form von Möglichkeiten um den Begriff, welche zeigen, dass jeder ein Girokonto besitzen sollte. Diese haben wir nachfolgend überlegt:

  • Überweisungen (vom eigenen auf andere Konten)
  • Umbuchungen (auf weitere eigene Konten, z.B. Sparkonto)
  • Geldempfang (z.B. monatliches Gehalt oder Rente)
  • Bargeldeinzahlungen & Bargeldauszahlungen am Schalter oder Automaten
  • Bargeldlose Zahlung via EC- oder MAESTRO-Karte (z.B. beim Einkaufen)
  • Bargeldlose Zahlung über Drittdienste (z.B. PAYPAL beim Online-Shopping)
  • Verwaltung von Daueraufträgen (automatische Überweisungen)
  • Teilnahme am Lastschriftverfahren (z.B. für Miete oder Versorgung)
  • Möglichkeit zur Scheckeinlösung (in den Filialen der Bank)
  • Beanspruchung von „automatischen" Dispo-Krediten (wenn Kontostand = 0)

Die hier aufgeführten Nutzungsmöglichkeiten und Vorteile eines Girokontos sind von Bank zu Bank in der Regel einheitlich. Mehr Unterschiede gibt es dagegen bei den Konditionen, was dann den Dispo-Kredit, die Verzinsung, Tageslimits und monatliche Gebühren für die Kontoführung, sowie weiteres angeht.

Geld und Kontoauszug

Welche Arten von Girokonten gibt es?

Angefangen mit den Girokonto-Arten. Wer nämlich denkt, ein Girokonto sei ein Girokonto, liegt falsch. Denn tatsächlich existieren bei allen Banken verschiedene Kontomodelle, die einen jeweils eigenen Vorteil bieten. Diese Modelle schauen wir uns genauer an:

Gehaltskonto & Privatgirokonto

Hinter diesen Begriffen steht das ganz normale Girokonto ohne Besonderheiten. Ein Privatgirokonto nennt man alle Konten, über die Lastschriften, Überweisungen und Geldeingänge verwaltet werden, sofern sie von Privatleuten geführt werden. Im Geschäftskundenbereich nennt man diese Girokonten Geschäftsgirokonten. Von einem Gehaltskonto spricht man zusätzlich dann, wenn das Konto auch für den regelmäßigen Eingang des monatlichen Gehalts (oder Rente, etc.) genutzt wird, was meistens wohl zutrifft. Hinsichtlich der Konditionen muss oft auf einen Mindesteingang geachtet werden, sofern eine kostenlose Kontoführung daran gebunden ist. Außerdem sind bei diesem normalen Konto auch Dispo-Kredite enthalten, deren Konditionen verglichen werden sollten. Dazu später mehr.

Guthabenkonto

Im Gegensatz zum Privatgirokonto/Gehaltskonto, wo das Konto dank Dispo-Kredit auch ins Minus rutschen kann und darf, werden beim Guthabenkonto alle Transaktionen verweigert, sofern der verfügbare Betrag nicht mehr ausreicht. Sprich: Das Guthabenkonto kann nicht ins Minus rutschen und verhindert eventuelle Verschuldungen. Es wird vor allem Kunden mit schlechter Bonität angeboten, bei denen ein möglicher Dispo-Kredit nur beidseitiges Risiko bringen würde. Ist hier das Guthaben aufgebraucht, muss für weitere Vorgänge konsequent auf den nächsten Geldeingang gewartet werden. Da mit dieser Regelung jedem ein Girokonto eröffnet werden kann, egal unter welchen Voraussetzungen, wird es auch „Jedermann-Konto" genannt.

Einzel- und Gemeinschaftskonten

Aus dem Namen ableiten lässt sich bereits das Prinzip, dass ein Einzelkonto nur einer Person gehört, die dieses verwaltet und ein Gemeinschaftskonto von zwei oder mehreren Leuten verwaltet werden kann. Das Einzelkonto ist meistens ein Privatgirokonto oder Gehaltskonto. Spezielle Gemeinschaftskonten sind vor allem für Familien und Paare gedacht, die ihr Guthaben gemeinsam verwalten und nutzen wollen. Genauso kann aber auch eine WG solch ein Girokonto eröffnen und gemeinsam auf den verfügbaren Betrag zugreifen. Beim Einzelkonto können weitere Personen nur auf das Guthaben zugreifen, wenn sie eine unterschriebene Vollmacht vorweisen können.

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Und-Konto & Oder-Konto

Die Gemeinschaftskonten spalten sich noch in die sogenannten Und-Konten und die Oder-Konten auf. Der Unterschied liegt bei den Berechtigungen sämtlicher Parteien vor. Beim Und-Konto müssen für sämtliche Zahlungsvorgänge, Daueraufträge, etc. alle Kontoinhaber mit ihrer Unterschrift zustimmen. Liegt also beispielsweise ein Erbe auf dem Konto, welches drei Leuten gehört, müssen alle drei Leute unterschreiben, wenn ein Teil des Erbes für irgendetwas ausgegeben werden soll. Hinsichtlich Pfändungen ist dieses Girokonto sicher, weil zunächst gegen alle Kontoinhaber ein Pfändungsbeschluss vorliegen müsste, damit etwas passieren kann. Das ist eher unrealistisch. Gegenteilig aber beim Oder-Konto: Hier kann jeder Kontoinhaber ohne Zustimmung der anderen über das Guthaben verfügen. Allerdings sollte man sich einig sein, damit es nicht zu Streitigkeiten kommt oder besonders „riskante" Ausgaben lieber von einem ganz persönlichen Privatgirokonto ausführen. Kommt einer der Kontoinhaber zudem seinen Verpflichtungen nicht nach, haften alle Kontoinhaber dafür und das Guthaben kann schlimmstenfalls gepfändet werden, egal, wem welcher Anteil des Guthabens gehört. Im Gegensatz zum Und-Konto ist dann nämlich kein Beschluss gegen alle Inhaber, sondern nur gegen den bestimmten Inhaber erforderlich, um die Pfändung zu vollstrecken.

P-Konto

Beim P-Konto handelt es sich um ein Girokonto mit Pfändungsschutz. Ohne diesen Schutz müsste bei Pfändungsbeschluss ein Antrag beim Gericht eingereicht werden, dass dem Kontoinhaber ein bestimmter Betrag pro Monat verbleiben muss, um die eigene Existenz zu sichern. Dank des Pfändungsschutzes beim P-Konto ist das nicht erforderlich und dem Kontoinhaber verbleiben grundsätzlich 1.028,89 Euro als Freibetrag. Nur das, was drüber liegt, darf gepfändet werden. Abgesehen von dem Pfändungsschutz handelt es sich hier um ein ganz normales Privatgirokonto. Ein P-Konto kann entweder individuell eröffnet werden oder aber aus einem Privatgirokonto heraus umgewandelt werden.

Wertpapiertransaktionskonto

Dieses Konto ist nur dann relevant, wenn an der Börse mit Wertpapieren gehandelt wird. Das Wertpapiertransaktionskonto ist ausschließlich für die Verwaltung von Geld und Gewinnen gedacht, die an der Börse eingesetzt und generiert werden. Der normale alltägliche Zahlungsverkehr findet also nicht darüber statt.

Spezielle Girokonten

Je nach Bank werden zum Beispiel extra für Kinder, Schüler, Azubis oder Studenten unter besonderen Konditionen (z.B. kostenlose Kontoführung bis zum Ende des Studiums/der Ausbildung, etc.) angeboten. Hinsichtlich der Eröffnung muss ein wenig was beachtet werden, was wir in den Ratgebern zu den jeweiligen Zielgruppen genauer erläutern.

Mehr unter: Girokonto für Azubis und Studenten

Anderkonten

Anderkonten gehören letztlich ebenfalls zu den Girokonten, sind aber für den Privatverbraucher nicht weiter relevant. Sie werden zum Beispiel von Notaren beim Immobilienkauf eröffnet, um eine sichere Transaktion zu gewährleisten. Wer eine Immobilie kauft, überweist das Geld auf dieses Anderkonto des Notars, der es dann auf das Girokonto des Empfängers überweist. Sowohl für den Käufer, als auch den Verkäufer ist hier die höchstmögliche Sicherheit hinsichtlich der gewaltigen Geldsumme gegeben. Auch von zum Beispiel Steuerberatern oder Anwälten werden solche Konten eingerichtet.

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Karten und Tan: Was zum Girokonto dazugehört

Zu einem Girokonto gehört immer eine kostenlose EC-Karte, die das bargeldlose Bezahlen, sowie Einzahlen und Abheben an Automaten ermöglicht. Bei Gemeinschaftskonten gibt es in der Regel eine Partnerkarte, sodass beide Kontoinhaber bzw. alle Kontoinhaber unabhängig voneinander über das Konto verfügen können. Für die sogenannte Girokarte wird eine PIN vergeben, die Sie sich unbedingt merken müssen.

Oftmals besteht zudem die Möglichkeit, eine kostenlose Kreditkarte mit zu beantragen. Mit ihr kann an allen Automaten (unabhängig von der Bank) entweder begrenzt oder unbegrenzt oft Geld abgehoben und ebenfalls bargeldlos bezahlt werden. Im Gegensatz zur Girokarte werden die Ausgaben jedoch nicht sofort abgebucht, sondern zunächst einen Monat lang auf einem Extra-Kreditkartenkonto gesammelt. Die Bank schickt dann eine monatliche Abrechnung und gleicht die Konten anschließend aus. Zu beachten ist dabei, dass bis zu diesem Zeitpunkt das Kreditkartenkonto im Minus steht und rot ist, das ist völlig normal, denn in der Tat sind es ja Schulden gegenüber der Bank, die auf diesem Konto liegen. Bitte außerdem darauf achten, dass mit der Kreditkarte nicht mehr Geld ausgegeben wird, als auf dem Girokonto für gewöhnlich zur Verfügung steht. Auch diese Karte hat eine individuelle PIN, die man sich merken muss.

Was die Tan-Nummern angeht, gibt es verschiedene Verfahren. Sie kommen allerdings nur zum Einsatz, wenn Online-Banking genutzt wird und somit nicht für jede Überweisung der klassische Überweisungsträger ausgefüllt wird. Die individuell pro Überweisung vergebene Tan wird zur Identifikation und Berechtigung im Online-Banking eingetragen, sodass die Bank sicherstellen kann, dass tatsächlich der Kontoinhaber diese Überweisung tätigen möchte. Je nach Bank bekommt der Kontoinhaber zur Kontoeröffnung ein Tan-Gerät oder aber er verknüpft das Online-Banking mit seinem Handy und erhält bei jeder Überweisung eine kostenlose SMS, in der die Tan drinsteht. Ganz früher wurden noch gedruckte Tan-Zettel vergeben, dieses Verfahren war allerdings nicht garantiert sicher.

Ob noch weitere Beigaben zum Girokonto erfolgen, kann im Einzelfall mit der gewünschten Bank geklärt werden. 

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Wer kann ein Girokonto eröffnen?

Prinzipiell ist niemand von der Eröffnung eines Girokontos ausgeschlossen. Anders als bei Krediten: Denn wer eine schlechte Bonität hat und einen Kredit anfragt, muss mit einer Absage rechnen. Bis vor einiger Zeit war es bei den Girokonten auch so, wobei aber immer mehr Banken das Problem sehen, dass jeder ein Girokonto braucht, unabhängig von seiner Bonität. Sollte jemand tatsächlich keinen besonders starken finanziellen Hintergrund haben, kann er ein Guthabenkonto oder P-Konto eröffnen, welche Pfändungen durch Dritte und Verschuldung durch mögliche Dispo-Kredite ausschließen. Das bieten jedoch nur solche Banken garantiert an, die eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet haben – Denn eine gesetzliche Regelung gibt es auch weiterhin nicht, auch wenn es in die Richtung geht. Interessant ist an dieser Stelle, dass das Landgericht Bremen bereits den Beschluss gemacht hat, dass jeder Bürger Zugang zu einem Girokonto haben muss.

Wie funktioniert die Eröffnung eines Girokontos?

Die Eröffnung eines Girokontos ist in der Regel ganz einfach. Entweder, man besucht eine Filiale der gewünschten Bank und eröffnet das Konto zusammen mit einem Kundenberater, oder man nutzt die vielseitigen Online-Möglichkeiten und eröffnet das Girokonto übers Internet. Bei sogenannten Direktbanken, die keine Filialen besitzen, ist das ohnehin erforderlich. Hier stehen bei der Eröffnung allerdings die Service-Hotlines für Hilfe zur Verfügung. Welche Unterlagen gebraucht werden und weiteres, erklären wir in unserem Ratgeber zur Girokonto-Eröffnung.

Kündigung eines Girokontos – Wie funktioniert das?

Wer mit seinem Girokonto unzufrieden ist und dieses kündigen möchte, sollte beachten, dass bei der neuen Bank bereits das neue Konto eingerichtet sein sollte. Die meisten Banken bieten einen kostenlosen Wechsel-Service an, sodass alle Lastschriften-Partner über die neue Bankverbindung Bescheid bekommen. Außerdem wird sämtliches Guthaben vom aktuell bestehenden Konto abgebucht und aufs neue verschoben. Ein Thema ist noch die Kündigungsfrist: Ist das aktuelle Girokonto kostenlos, ist die Frist egal und der Wechsel kann sofort aufs neue Konto erfolgen, während das alte Konto einfach abläuft. Handelt es sich aber um ein kostenpflichtiges Girokonto, sollte der Wechsel erst kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist erfolgen, damit keine Gebühren für ein unbenutztes Konto gezahlt werden. Der Wechsel selbst funktioniert meist in wenigen Tagen (meist nur 2-3 Werktage), wie auch bei gewöhnlichen Überweisungen.

Sparschwein-Taschenrechner

Dispo-Kredit und Sollzinsen

Dispo-Kredite werden beim Girokonto dann gebraucht, wenn das eigene Vermögen auf dem Konto aufgebraucht ist. Interessant ist dieser Punkt daher für diejenigen, die über ein nicht besonders hohes Einkommen verfügen und für eine Ausgabe nicht immer aufs nächste Gehalt warten möchten. Der Unterschied zu gewöhnlichen Krediten ist, dass dieser nicht beantragt und ausgezahlt werden muss, sondern automatisch bis hin zu einem vorher festgelegten Rahmen automatisch freisteht. Dafür verlangt die Bank genau wie beim verwandten Kredit Zinsen über den Zeitraum, wo der Dispo-Kredit beansprucht wird. Diese Zinsen heißen Sollzinsen und sind in der Regel viel höher als die Zinsen von Kreditangeboten (oft sogar zweistellig). Zunächst ist zu prüfen, ob überhaupt ein Dispo-Kredit vergeben wird und wenn ja, wie hoch genau dann der Kreditrahmen und der Sollzinssatz sind. Dabei spielt auch die Bonität des Kunden und die Kulanz der ausgewählten Bank eine tragende Rolle. Mehr Informationen zu Girokonto-Zinsen haben wir in diesem Ratgeber zusammengestellt. Im Girokonto-Vergleich lassen sich die besten Konten mit Dispo-Kredit finden. Grundsätzlich empfehlen wir aber aufgrund der hohen Zinsen, den Dispo-Kredit am besten nicht zu beanspruchen.

Habenzinsen

Für fleißige Sparer sind Habenzinsen interessant, die für das auf dem Girokonto hinterlegte Vermögen ausgezahlt werden. Vor allem bei Girokonten mit Tagesgeld-Funktion ist das möglich, auch wenn die Gewinne in Zeiten des Niedrigzinses marginal sind. Aber genau deshalb sind sie auch ein halbwegs wichtiger Vergleichspunkt, denn wer schon einigermaßen viel Einkommen besitzt, sollte vom höchstmöglichen Habenzins profitieren. Ob die Bank überhaupt Habenzinsen ausschüttet und wenn ja, wie hoch der Zinssatz ist, sollte im Vergleich geprüft werden.

Girokonto-Tageslimits

Manche Girokonten haben sogenannte Tageslimits an Bord, die die Geldausgabe beschränken. So gibt die Bank vor, dass beispielsweise am Tag nicht mehr als 500 Euro überwiesen werden können. Auch das ist ein Faktor der Bonität und bei Kunden mit hohem Einkommen sind Tageslimits in der Regel nicht mehr relevant oder einfach sehr hoch. Kunden mit geringerem Einkommen müssen sich dagegen hiermit arrangieren oder ein Konto suchen, welches kein Tageslimit vorgibt.

Monatliche Gebühren – Die Kontoführungsgebühren

Es gibt kostenlose Girokonten und es gibt Girokonten, die bis zu 10 Euro im Monat kosten. Es gibt kostenlose Überweisungen und Staffellungen, wann eine Überweisung wie viel kostet. Und es gibt kostenlose, persönliche Beratungen oder gar kostenpflichtige Telefon-Hotlines. Auch das ist ein wichtiger Vergleichspunkt. Denn ist ein Girokonto kostenlos, sind in der Regel auch keine persönlichen Berater in einer Filiale vor Ort und Überweisungen können etwas kosten. Bezahlt man Kontoführungsgebühren, sind Berater und kostenlose Überweisungen in der Regel inklusive. Die Unterschiede zwischen diesen Punkten sind von Bank zu Bank stark und sollten genau wie der Dispo-Kredit daher ganz genau verglichen werden. Mit etwas Glück lässt sich ein kostenloses Girokonto ohne weitere Extragebühren finden. Dazu mehr in unserem Artikel zu Kontoführungsgebühren.

Mindestgeldeingang

Besonders bei den kostenlosen Girokonten gibt es immer wieder Mindestgeldeingänge. Sprich, das monatliche Netto-Gehalt muss über einer bestimmten Grenze liegen (z.B. 1.000 Euro), damit für das Konto keine Gebühren anfallen. Näheres dazu gibt es im Artikel zum Girokonto-Mindesteingang. Wenn das eigene Netto-Gehalt die Grenze nicht überschreitet, sollte man ein Konto ohne Mindesteingang oder ein Konto mit niedrigerem Mindesteingang suchen.

Girokonto-Partnerkarte

Sofern man nicht als Single, sondern als Familie oder Paar ein Konto eröffnen möchte, sollte drauf geachtet werden, dass kostenlose Partnerkarten verfügbar sind, sodass der Partner ebenso aufs Konto zugreifen kann und nicht eine Girokarte geteilt werden muss. Bei vielen Banken ist das kein Problem, trotzdem sollte man es vergleichen. In diesem Falle werden außerdem Gemeinschaftskonten eröffnet. Mehr Infos zur Partnerkarte beim Girokonto gibt es hier.

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Kostenlose Kreditkarte

Bei vielen Banken kann zum Girokonto dazu eine kostenlose Kreditkarte bestellt werden (meistens Mastercard oder VISA-Karte). Wenn die Kreditkarte für einen persönlich essenziell ist, aber etwas kostet, sollte man sich lieber nach Konten mit kostenfreier Karte umsehen oder die Kreditkarte einfach weglassen und über andere Anbieter kostenfrei einrichten (z.B. Barclaycard). Die einfache Girokarte für Kartenzahlungen und Automatenverfügungen ist grundsätzlich immer kostenfrei mit verfügbar.

Eröffnungs-Bonus & Prämien

Ein kleines Schmankerl, mit dem viele Banken werben, sind sogenannte Eröffnungs-Boni bei Konten ohne Kontoführungsgebühr. Man eröffnet also ein kostenloses Girokonto bei der Bank und bekommt als Prämie beispielsweise 120 Euro geschenkt. Das ist oft an weitere Konditionen gebunden, etwa ein regelmäßiges Monatseinkommen, aber durchaus ein Faktor, der die Eröffnung eines bestimmten Kontos schmackhafter macht. Solche Aktionen werden regelmäßig zum Beispiel von der Postbank oder Commerzbank angeboten. Sparkassen und Volksbanken halten sich damit – wie auch mit sonstigen Besonderheiten – eher zurück und setzen auf ihre Kundennähe durch Regionalität.

Online-Banking

Es mag banal klingen, aber wer wahrscheinlich sehr viel das Online-Banking seines Girokontos benutzt, ist auf eine gut funktionierende und am besten noch nett gestaltete Benutzeroberfläche angewiesen. Auch an dieser Stelle der Vergleich zwischen Sparkassen und Volksbanken: Während das Online-Banking der Volksbanken in Tests sehr gut abschneidet, ist das Online-Banking der Sparkassen Kundenmeinungen zufolge eher unübersichtlich und unschön. Jede Bank hat ihr eigenes Online-System, welches idealerweise vorher einmal ausprobiert wird. Ob ein Online-Banking gut oder schlecht ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Wem es aber wichtig ist, sollte darauf mit Acht geben.

Zusammenfassung: Darauf sollte man beim Girokonto achten

Um all die obigen Punkte kurz zusammenzufassen, eignet sich die folgende Auflistung. Hierauf ist bei der Auswahl eines Girokontos unbedingt zu achten:

  • Höhe und Verzinsung eines Dispo-Kredits (bei niedrigem Einkommen)
  • Verzinsung von Guthaben (Habenzinsen, bei höherem Einkommen)
  • Eventuelle Tageslimits und deren Höhe
  • Monatliche Gebühren und deren Höhe in Einklang mit den Inklusiv-Leistungen
  • Etwaige Gebühren für Überweisungen oder Service-Leistungen (auch bei kostenlosen Girokonten)
  • Höhe des Mindestgeldeingangs, sofern gefordert
  • Verfügbarkeit von kostenlosen Partner- und/oder Kreditkarten
  • Gibt es einen Eröffnungsbonus und welche Konditionen liegen dahinter?
  • Ist ein gutes Online-Banking vorhanden?

Damit ist allerdings nicht genug, denn auch grundsätzliche, nicht kostenbezogene Punkte sind bei der Auswahl des Girokontos relevant.

Das betrifft vor allem Automaten und Filialen im Umkreis hinsichtlich von Bargeld-Einzahlungen und -Auszahlungen. Eingezahlt werden kann nur an bestimmten Automaten, die diese Funktion unterstützen und zu der Bank direkt gehören. Die Einzahlung über Automaten von anderen Banken funktioniert nicht. Selbst unter den Volksbanken ist das zum Beispiel nicht möglich. Wer bei der Volksbank Berlin ist, kann bei der Volksbank Hamburg zwar kostenlos Geld abheben, jedoch nichts einzahlen. Beim Geldabheben kommt es darauf an, ob entweder Automaten der gleichen Bank oder von Banken aus der gleichen Vereinigung (Cash-Pool und Cash-Group) verfügbar sind. Bargeldabhebungen sind bei der gleichen Bank kostenlos, genau wie bei Banken, die in der gleichen Vereinigung sind. Abhebungen bei Banken der anderen Vereinigung oder vereinigungslosen Banken (z.B. Sparkassen wie die Haspa) werden mit zum Teil hohen Gebühren von bis zu 5 Euro belastet.

Wenn man ganz tief ins Detail gehen möchte, kann auch die Versicherung ein Faktor für die Auswahl des richtigen Girokontos sein. Vor allem die großen Banken haben eine Partnerversicherung, bei den Sparkassen ist es zum Beispiel die Provinzial, bei den Volksbanken die R+V-Versicherungen. Wer vorhat, sich bei diesen jeweiligen Versicherungen zu versichern oder bereits dort versichert ist, kann sich quasi das Komplettpaket unter einem Dach mit Girokonto und Versicherung schaffen.

Wer all das nun beachtet, wird sicher das persönliche Top-Girokonto im Vergleich finden. Auch, wer das Girokonto wechseln möchte, ist bei diesen Vergleichen gut aufgehoben.

Girokonto: Fazit

Girokonten sind unverzichtbar, was man schon an der Fülle von Funktionen erkennt, die es bietet. Um am täglichen Zahlungsgeschehen mitwirken zu können, braucht es schlichtweg solch ein Konto inklusive Karte für bargeldloses Bezahlen. Dabei stehen diverse verschiedene Konto-Arten zur Verfügung, unter anderem auch für diejenigen, die kein besonders hohes Einkommen haben und sich leicht verschulden können (Guthabenkonto + P-Konto). Wer dazu gewisse Dinge zur Eröffnung und zur Kündigung, sowie sämtliche Punkte zum Vergleich des richtigen Girokontos beachtet, kann nichts mehr falsch machen und wird mit seinem Girokonto zufrieden sein.

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Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.