Gebühren

Girokonto wird teurer – Warum ist das so?

Die Zeiten des kostenlosen Girokontos könnten schon bald vorbei sein. Das ist die Schlagzeile, die seit einiger Zeit in Deutschland umgeht. Und tatsächlich gibt es aufgrund der aktuellen Zinslage allen Anlass, sich über sein bislang kostenloses Girokonto Sorgen zu machen. Warum werden Gebühren verteuert oder überhaupt erstmals erhoben?

Einlagefazilität ist Schuld an den Gebühren

Es mag auf den ersten Blick ein Widerspruch sein, was denn die Gebühren für ein Girokonto nun mit den Zinsen aus Krediten und Sparanlagen zu tun haben. Der Hintergrund ist aber einfach erklärt: Man muss sich eine Bank in ständiger Verbindung zur Europäischen Zentralbank vorstellen. Nun gibt es im Tagesgeschäft viele Transaktionen, die die Tagesbilanz der Banken bilden. Steht die Bank am Ende des Tages im Minus, leiht sie sich Geld von der Europäischen Zentralbank, um das über Nacht auszugleichen und am nächsten Tag zurückzuzahlen (Fachwort: Spitzenrefinanzierungsfazilität). Andersherum legt sie Bank das Geld bei der Europäischen Zentralbank an, wenn sie am Ende des Tages im Plus ist (Fachwort: Einlagefazilität). Fürs Aufnehmen von Geld bezahlt die Bank Zinsen, fürs Anlegen bekommt sie Zinsen. Und genau da liegt das aktuelle Problem.

Denn aktuell liegen die Zinsen für die Einlagefazilität im Negativbereich. Das heißt, Banken, die am Tag einen Überschuss erzielen, legen das Geld an und bezahlen dafür Zinsen, anstelle welche zu bekommen. Dementsprechend machen Banken derzeit mit Geldanlagen ein potenzielles Minusgeschäft, wenn sie die Einlagefazilität in Anspruch nehmen müssen.

Stapel mit Münzen und dem Wort Zinsen.

Negativzins wird nicht an die Kunden weitergegeben

Natürlich aber muss das Geldanlagegeschäft weiter bestehen bleiben. Es wäre nicht möglich, die Geldanlage zu verweigern, um die Strafzinsen zu umgehen. Weil die Banken diese Strafzinsen aber auch nicht an den Kunden weitergeben wollen – denn dann müsste der Kunde für die Anlage von beispielsweise 20.000 Euro derzeit 80 Euro bezahlen – wurde seitens des Sparkassen-Präsidenten Georg Fahrenschon ein „Ende der Kostenlos-Kultur bei Girokonten" gefordert. Um weiterhin einigermaßen rentable Geldanlagen bieten zu können aber dennoch im Gesamtverhältnis kein Verlustgeschäft zu machen, sollen Girokonten mittels neuen und höheren Gebühren künftig für „fehlende" Einnahmen sorgen. Im Geschäftskundenbereich werden solche Gebühren beispielsweise für einzelne Buchungen flächendeckend durchgesetzt. Auch Strafzinsen werden von Geschäftskunden teils schon für Anlagen verlangt. Nicht aber im Privatkundengeschäft, denn hier gibt es einen viel zu großen Wettbewerb.

Welche Leistungen werden teurer?

So wäre es nun also möglich, dass für Überweisungen, Kreditkarten, Girokarten und dergleichen Gebühren erhoben, die Kontoführungsgebühren erhöht oder überhaupt Kontoführungsgebühren für Girokonten eingeführt werden, die bislang dahingehend noch kostenlos waren. Wie erfolgreich der Aufruf von Fahrenschon sein wird, lässt sich bislang noch nicht absehen, aber unwahrscheinlich ist es nicht, dass Girokonten für Privatkunden teurer werden. Bisher haben nach aktuellen Untersuchungen sechs von 61 Banken die Kosten für ihr Girokonto erhöht. Die Mehrzahl der Banken hat diese Gebührenerhöhung bislang also nicht durchgeführt. Insbesondere Direktbanken ohne Filialnetz werden wohl auch bei ihren kostenlosen Konten bleiben können, weil die Ausgaben/Kosten wesentlich kleiner ausfallen als bei Banken mit vielen Filialen, die betrieben werden müssen. Und diese erheben ohnehin Kontoführungsgebühren, Kreditkartengebühren und weitere, was die Kunden gewohnt sind. Offizielle Statements von einzelnen Banken, was die Entwicklung angeht, fehlen allerdings.

Was tun bei steigenden Girokontogebühren?

Was sollte man als Kunde tun?

Wird Ihr Girokonto direkt über Kontoführungsgebühren oder indirekt über sonstige Gebühren drum herum teurer, empfiehlt es sich, die Bank zu wechseln, sofern Sie mit den höheren Gebühren nicht einverstanden sind. Im ersten Schritt könnte jedoch auch eine Meldung an Verbraucherzentralen oder deren Portal „Marktwächter Finanzen" ausreichen. Derzeit werden Gebührenerhöhungen und -Erhebungen geprüft. Auch auf eventuell gesetzlich unzulässige Regelungen, die es durchaus gibt. Dazu gehören zum Beispiel Kreditbearbeitungsgebühren, die grundsätzlich nicht erhoben werden dürfen. Gebühren für einzelne Überweisungen sind dagegen aber legal.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wurde auch Ihr Girokonto teurer? Erzählen Sie es uns in den Kommentaren.  

 


Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.