BAföG Kredit: Die wichtigsten Wege für die Studienfinanzierung

BAföG hilft Schülern und Studierenden, ihr Studium zu finanzieren. Wer jedoch keinen Anspruch auf den Zuschuss hat, kann ein staatliches Förderdarlehen zu geringen Zinsen in Anspruch nehmen – den BAföG-Kredit. Doch was genau hat es mit dem Angebot der KfW-Bank auf sich?

Take-Aways

  • BAföG als beliebte Finanzierungsmöglichkeit für Ausbildung und Studium
  • als Vollzuschuss oder zinsloses/-günstiges Darlehen erhältlich
  • BAföG-Kredit wird monatlich ausgezahlt und erst später getilgt
  • Bildungsfonds werden in Abhängigkeit von der Einkommenshöhe zurückgezahlt
  • auch private Banken bieten Studienkredite, die erst nach dem Studium getilgt werden

BAföG, eine staatliche Förderung für Menschen, die sich in einer Ausbildung oder in einem Studium befinden, wird in den vergangenen Jahren immer stärker in Anspruch genommen. Noch 1998 waren es „nur“ 531.467 Schüler und Studenten, die die Förderung in Anspruch nahmen. Bis 2013 ist die Zahl der BAföG-Empfänger auf 958.743 Menschen angestiegen. Rund 14,9 Prozent der Studenten in Deutschland finanzieren sich ausschließlich über BAföG-Leistungen.

Was genau ist BAföG?

BAföG ist eine Leistung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die sicherstellen kann, dass jeder eine qualifizierte Ausbildung erwerben kann, auch wenn ihm die finanziellen Mittel dafür fehlen. Es ist also ein großer Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit. Förderungsfähig ist eine Vielzahl eingeschlagener Richtungen. Hierzu zählen gemäß § 2 BAföG:

  • weiterführende, allgemeinbildende Schulen ab der zehnten Jahrgangsstufe (z. B. Hauptschule, Gymnasium, Realschule)
  • Berufsfachschulen
  • Berufsvorbereitungsjahr und andere Einrichtungen der beruflichen Grundbildung
  • Fach- und Fachoberschulklassen
  • Berufsfachschulen und Fachschulen mit berufsqualifizierendem Abschluss
  • Abendhauptschulen, -realschulen, -gymnasien, Kollegs
  • Berufsaufbauschulen
  • höhere Fachschulen und Akademien
  • Hochschulen

BAföG erhalten Sie allerdings nur dann, wenn Sie nicht mehr bei Ihren Eltern wohnen und diese auswärtige Unterbringung auch notwendig ist, z. B. wenn Sie verheiratet sind, ein Kind haben oder die Ausbildungsstätte unzumutbar weit vom Wohnort Ihrer Eltern entfernt ist. Voraussetzungen sind außerdem:

  • deutsche Staatsangehörigkeit oder Ausländer mit Bleibeperspektive in Deutschland
  • gute Leistungen in der Ausbildung bzw. im Studium
  • Beginn der Ausbildung vor der Vollendung des 30. Lebensjahres bzw. bei Masterstudiengängen vor Vollendung des 35. Lebensjahres.

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Förderungsarten nach dem BAföG

Grundsätzlich erhalten Schüler einen reinen Vollzuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss. Anders sieht es hingegen bei Studierenden aus: Sie erhalten die Hälfte der Förderung als Zuschuss, die andere Hälfte hingegen als zinsloses Staatsdarlehen, das nach einigen Jahren zurückgezahlt werden muss. Hinzu kommen gegebenenfalls Zuschüsse für Auslandsstudiengebühren oder ein Kinderbetreuungszuschlag.

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass BAföG als verzinsliches Bankdarlehen gewährt wird. Davon macht der Staat in den folgenden Fällen Gebrauch:

  • Sie absolvieren eine weitere Ausbildung, obwohl Sie bereits eine Hochschulausbildung besitzen. Die Ausbildung muss für die Aufnahme eines angestrebten Berufs rechtlich notwendig sein.
  • Sie absolvieren eine weitere Ausbildung, weil die besonderen Umstände Ihres Einzelfalls dies notwendig machen.
  • Die Studiendauer Ihres Studiums verlängert sich, weil Sie zum zweiten oder dritten Mal Ihre Fachrichtung gewechselt haben.
  • Wenn einer der Fälle zur Hilfe zum Studienabschluss vorliegt.

Studenten halten Daumen hoch in der Uni

Der BAföG-Kredit der KfW-Bank

Der BAföG-Kredit ist nahezu unschlagbar günstig, denn der Zinssatz wird am 6-Monats-EURIBOR festgemacht und mit nur einem Prozentpunkt Aufschlag weitergegeben. Aktuell beträgt der Sollzins pro Jahr 1,09 Prozent, der Effektivzins 1,10 Prozent. Diese Zinsen gelten auch für den Zeitraum, in dem Sie noch keine Tilgung leisten – sie summieren sich während dieser Zeitspanne einfach auf und werden zur Kreditsumme addiert.

Das Darlehen wird nicht wie ein normaler Kredit auf einen Schlag ausbezahlt, sondern in Übereinstimmung mit der vereinbarten Laufzeit in monatlichen Beträgen, sodass eine fortwährende Finanzierung der Lebenshaltungskosten und der Ausbildung möglich wird. 18 Monate nach der Auszahlungsphase läuft zunächst eine zins- und tilgungsfreie Zeit. Erst dann erhalten Sie einen Tilgungsplan – spätestens innerhalb von 20 Jahren muss der BAföG-Kredit komplett zurückgezahlt werden. Sofern Sie im Vorfeld bereits einen zinslosen BAföG-Kredit erhalten haben, bleiben Ihnen 22 Jahre für die gesamte Rückzahlung Ihrer Kredite. Die monatliche Mindestrate beträgt 105 Euro, wobei Sondertilgungen jederzeit möglich sind (beispielsweise nach dem Ende Ihres Studiums, wenn Sie richtig Geld verdienen).

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Wenn es nicht mit dem BAföG-Kredit klappt: Die Alternativen

Wenn es um die Finanzierung ihres Studiums geht, steht Studenten neben einem BAföG-Kredit eine Vielzahl an Finanzierungsmethoden offen. Angesichts der Einschränkungen, mit denen das staatliche Darlehen versehen ist, ist dies auch notwendig. Die häufigsten Finanzierungsquellen von Studierenden sind neben dem Studienkredit der KfW und BAföG-Zuschüssen:

  • Taschengeld von den Eltern
  • Kredit von einer Bank
  • Stipendium
  • eigener Verdienst (z. B. Nebenjob, Werkstudententätigkeit)
  • Ersparnisse
  • Partner
  • Waisengeld/-rente

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Finanzierungen für die Ausbildung: Alternativen zum BAföG-Kredit

Wenn es mit dem BAföG-Kredit nicht klappt, bleiben Ihnen immer noch einige weitere Finanzierungsmöglichkeiten:

  • Bildungsfonds: Bildungsfonds (z. B. CareerConcept) basieren auf einem gänzlich anderen Grundprinzip. Dabei finanziert der Fonds die Lebenshaltungskosten und das Studium. Im Gegenzug verpflichtet sich der Student, nach Abschluss seiner Ausbildungszeit für einen vordefinierten Zeitraum von jedem Monatsgehalt einen bestimmten Prozentsatz zu zahlen. Konkret bedeutet das, dass jemand, der nach dem Studium schlecht verdient, weniger zurückzahlt als ein gutverdienender Absolvent. Reguläre Zinszahlungen oder Tilgungsdienste gibt es nicht.
  • Bildungskredit: Wer kurz vor dem Ende seines Studiums steht und nicht mehr ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung hat, um die letzte Durststrecke zu überbrücken, kann einen Bildungskredit nutzen (z. B. KfW Bildungskredit, Microkredit Studienhilfe der E.W. Kuhlmann Stiftung).
  • Studienkredite der Banken: Auch herkömmliche Banken bieten Studienkredite an. Charakteristisch ist hier, dass ähnlich wie beim BAföG-Kredit eine monatliche Auszahlung des Kreditbetrags sowie die Aufschiebung der Rückzahlung bis nach dem Ende des Studiums vorgesehen sind. Allerdings liegen die Zinsen hier etwas höher als bei den staatlichen Angeboten.

BAföG-Kredit: Fazit

  • BAföG soll Menschen dabei helfen, ihre Ausbildung oder ihr Studium zu finanzieren.
  • Neben der Vollbezuschussung besteht auch die Möglichkeit, einen BAföG-Kredit zu sehr günstigen Konditionen in Anspruch zu nehmen.
  • Ein BAföG-Kredit wird in monatlichen Beträgen Tilgungs- und Zinszahlungen erfolgen erst später.
  • Ist kein BAföG-Kredit möglich, kommen Bildungsfonds, Bildungskredite oder Studienkredite von Banken in Betracht.


 


Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.