Das Verbraucherinsolvenzverfahren im Überblick

Immer mehr Menschen leiden unter einer sehr hohen Verschuldung. Hoher Konsum und die leichte Kreditvergabe der Banken, machen den Ansatz für alles einen Kredit zu nutzen sehr interessant. Eine Überschuldung kann demnach sehr einfach erreicht werden und kommt deutlich häufiger vor als man denkt.

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Es können unterschiedliche Faktoren dazu führen, dass man als Verbraucher in die Schuldenfalle gerät. Unerwartete Arbeitslosigkeit, Krankheit oder das auf Kredit finanzierte Haus, sind nur einige Ursachen für andauernde Schulden. Um aus diesen Schulden zu entspringen, können Verbraucher ein Insolvenzverfahren nutzen. Mit einer Verbraucherinsolvenz haben deutsche Bürger die Möglichkeit in einem sechs bis achtjährigen Verfahren die Schulden abzubauen. Seit einigen Jahren wurde die Verbraucherinsolvenz verkürzt. Verbraucher müssen nun nur noch 3 Jahre im Insolvenzverfahren verbringen und sind anschließend komplett schuldenfrei.

Nun sicherlich bereits jetzt bei Ihnen Fragen zum Verfahren der Verbraucherinsolvenz aufgetaucht. Diese möchten wir Ihnen im Nachgang sehr gerne beantworten.

Wann kommt ein Insolvenzverfahren in Frage?

Grundsätzlich ist die Verbraucherinsolvenz  für Privatpersonen gedacht. Diese dürfen aber keine selbstständige Tätigkeit ausüben. Für Selbstständige mit mehr als 19 Gläubigern gilt das Regelinsolvenzverfahren, das hier nicht näher betrachtet werden soll.

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Beantragt wird die Verbraucherinsolvenz beim Insolvenzgericht, wenn bereits eine Zahlungsunfähigkeit kurz bevorsteht oder diese bereits eingetroffen ist. Zu empfehlen ist immer nicht abzuwarten bis die Zahlungsunfähigkeit vollständig eingetroffen ist, sondern das Insolvenzverfahren bereits zu beantragen, wenn die Zahlungsunfähigkeit unmittelbar bevorsteht.

Für den Antrag muss jeder Verbraucher vorab einen Versuch unternommen haben sich mit den Gläubigern zu einigen. Sollte dieser nicht fruchten, dann ist das Insolvenzverfahren möglich.

Wie funktioniert die Verbraucherinsolvenz genau?

Stufe 1: ein außergerichtliches Einigungsverfahren muss angestrebt werden. Bei diesem Teil des Verfahrens versucht der Verbraucher oftmals mit Hilfe eines Anwaltes oder eines Schuldnerberaters eine Einigung in Form von Vergleichen oder anderen Wegen mit den Gläubigern zu finden. Sollte dieses Verfahren nicht umgesetzt werden, weil beispielsweise keine Einigungen möglich ist, dann benötigt der Verbraucher von einer geeigneten Person eine Bescheinigung, dass ein Einigungsverfahren zwar angestrebt wurde, aber dieses erfolglos blieb. Das kann beispielsweise das Inkassounternehmen selber oder ein Anwalt sein.

Ein Modellauto in einer Mausefalle, Symbolfoto für Autokosten und Schulden

Stufe 2: ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren wird angestrebt, wenn das außergerichtliche Einigungsverfahren scheitert. Damit befinden Sie sich in Phase 2. Bei diesem Verfahren wird versucht den Schuldenbereinigungsplan auch gegen den Willen der Gläubiger umzusetzen. Den Plan dazu und auch die Durchführung unternimmt das Gericht selber. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Gericht Gläubiger auch dazu zwingen einem solchen Vergleich zuzustimmen.

Stufe 3: wird das auch nicht umgesetzt, weil vielleicht keine Erfolgschancen vorhanden sind, dann erfolgt das vereinfachte Insolvenzverfahren mit der sechsjährigen Wohlverhaltensphase. In dieser Zeit wird der pfändbare Teil des Einkommens in das Insolvenzverfahren eingebunden.

In dieser Zeit haben Verbraucher eine Mitwirkungspflicht, ebenso wie eine Auskunftspflicht. Das Insolvenzverfahren ist mit einer Restschuldbefreiung verbunden. Das bedeutet, wenn bei einem Verbraucher Gehälter gepfändet werden, dann nur bis zu einem bestimmten Grad. Dieser Grad wird anhand der Lebensumstände bestimmt. Die restlichen Schulden, welche dann oftmals noch vorhanden sind, werden dem Schuldner erlassen und bei den Gläubigern als Verlust aufgeführt.

Diese Unterlagen benötigt das Gericht zur Restschuldbefreiung

Es gibt durchaus einige Unterlagen, welche bei einem Insolvenzverfahren vorhanden sein müssen. Um eine Restschuldbefreiung zu erhalten, sollten Sie folgende Unterlagen dem Antrag beifügen:

  • Bescheinigung über das Scheitern der außergerichtlichen Einigung inkl. den Gründen warum es ein Scheitern gab
  • Antrag auf Restschuldbefreiung
  • Übersicht und Verzeichnis des Einkommens
  • Übersicht über Vermögenswerte (Versicherungen usw.)
  • Erklärung, dass die gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen
  • Abtretungserklärung für den Treuhänder

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Kommen Kosten für das Insolvenzverfahren auf den Verbraucher zu?

Das Insolvenzverfahren ist grundsätzlich nicht kostenfrei, es fallen Kosten für Gerichtskosten, Zustellungskosten, Veröffentlichungskosten und  Kosten für einen Treuhänder an. Als Verbraucher kann man mit Kosten von 1.000 bis 2.000 Euro rechnen. Vorgestreckt werden müssen diese Kosten nicht, aber sie müssen aus dem vorhanden, pfändbaren Einkommen beglichen werden.

Aus der sogenannten Insolvenzmasse werden zuerst die Insolvenzkosten beglichen, dafür ist aber nicht der Verbraucher zuständig, sondern der Treuhänder, den der Verbraucher zur Seite gestellt bekommt.

Sollte kein pfändbares Einkommen oder Vermögen vorhanden sein, dann wir beim Gericht eine Stundung beantragt. Diese wird in der Regel auch bewilligt.

 


Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.