Dispokredit – Das sollen Sie zur Überziehung eines Kontos wissen

Ende des Monats, Geld wird knapp. Und wenn jetzt doch noch eine höhere Rechnung oder Abbuchung kommt, ist es aus mit dem positiven Kontostand. Eine Situation, die viele Besitzer eines Girokontos kennen und somit für uns ein Anlass, das Thema Dispositionskredit bzw. kurz Dispokredit näher zu erklären. Denn solch ein Kredit wird in den meisten Fällen automatisch gewährt, sobald das Konto ins Minus rutscht. Dieser Ratgeber klärt Sie auf zu dem, was Sie zur Überziehung eines Girokontos wissen sollten.

Was genau ist ein Dispokredit?

Ein Dispokredit ist zunächst einmal kein gewöhnlicher Kredit, der bei einer Bank Ihrer Wahl angefragt und dann bestenfalls gewährt und anschließend in Raten zurückgezahlt wird. Sondern es handelt sich um einen automatischen Kredit, wenn Sie Ihr Girokonto überzogen haben. Das heißt, dass bei der Eröffnung des Kontos ein Überziehungsrahmen festgelegt wurde, bis zu dem Sie ins Minus gehen dürfen. Das, was von diesem Überziehungsrahmen dann tatsächlich ausgenutzt wird, ist der Dispositionskredit.

Ein Beispiel: Sie eröffnen ein Girokonto und bekommen von der Bank einen Überziehungsrahmen von 800 Euro. Diese Angabe ist nicht an Tage, Monate oder dergleichen gebunden, sondern stellt dar, dass das Konto zu jeder Zeit eben maximal 800 Euro im Minus stehen darf. Mehr geht nicht. Haben Sie auf dem Konto nun noch 100 Euro liegen und zum Ende des Monats werden auf einmal 200 Euro abgebucht, dann steht das Konto mit 100 Euro im Minus. Diese -100 Euro sind der Dispokredit.

dispo_sparkasse

Es gibt auch Girokonten, die ohne Dispokredit auskommen, also nicht überzogen werden können. Insbesondere dann, wenn der potenzielle Bankkunde eine schlechte Bonität hat, werden diese Konten statt eines überziehungsfähigen Giros eröffnet. Man spricht dann von einem Guthabenkonto, welches nicht ins Minus gehen kann. Das bedeutet aber auch, dass Sie eine Ausgabe von 100 Euro nicht tätigen können, wenn auf dem Konto nur noch 70 Euro verfügbar sind. Noch ein anderes Thema sind sogenannte P-Konten mit einem Pfändungsschutz, das allerdings hat mit dem Dispositionskredit nur noch im Entferntesten etwas zutun.

Wie werden Dispokredite verzinst?

Wenn Dispositionskredite also anders als alle anderen Kredite sind, dann auch bei der Verzinsung. Beim normalen Ratenkredit gibt es einen festen Zinssatz, der jedes Jahr auf die verbleibende Restsumme (noch nicht abbezahlte Summe) angerechnet wird und sich normalerweise nicht ändert. Dazu kommt, dass der Zeitraum vorher festgelegt wird. Beim Überziehungskredit ist das ein wenig anders: Zwar ist auch hier der Zinssatz (Dispozinsen) gleichbleibend, allerdings gibt es wie bereits angedeutet keinen Zeitraum, was vor allem für die Berechnung der Sollzinsen vom Dispokredit relevant ist. Eine weitere Besonderheit ist, dass der Zinssatz wesentlich höher als beim günstigen Ratenkredit liegt. Wir sprechen hier von bis zu 12 Prozent pro Jahr oder sogar noch mehr. Die Berechnung der Dispozinsen ist allerdings etwas komplizierter, als einfach „12 Prozent von meinem Minus" zu sagen. Dazu kommen wir jetzt.

Wie werden Dispozinsen berechnet?

Wir stellen immer wieder fest, dass Bankkunden die kreativsten Ideen haben, ihre Zinsen irgendwie hinzurechnen bzw. tatsächlich nicht weiterkommen. Und gerade beim Dispokredit ist das gar nicht so leicht wie vielleicht noch beim Ratenkredit, es sei denn man nimmt spezielle Zinsrechner zur Hilfe. Das Prinzip möchten wir trotz dieser Rechner gerne erklären:

Die Berechnung der Zinsen bei einem Überziehungskredit erfolgt tageweise. Das ist auch notwendig, weil sich der Kontostand von Tag zu Tag verändern kann und man nicht von einer festen Summe spricht, auf die Zinsen erhoben werden. Möchte man die Zinsen berechnen, so lässt sich das am besten mit dieser Formel umsetzen:

Z = ( K * p * t ) / ( 100 * 360 )

Möchte man die Zinsen für einen Tag haben, multipliziert man die Überziehungssumme des aktuellen Tages mit dem Zinssatz und teilt das Ergebnis durch das Produkt von 100 mal 360. Für das „t" in der Formel kann jede beliebige Tageszahl eingesetzt werden, solange sich über die gesamte Zeit der Kontostand nicht ändert. Das Prinzip ist am Ende also, dass die Bank das Zinsergebnis aller Tage, in denen das Konto mit einer x-beliebigen Summe im Minus stand, zusammenzählt. Die Summe sind dann die Sollzinsen, die Sie bezahlen müssen.

Girokonto Norisbank

Ein Beispiel: Das Girokonto mit einem Dispozins von 10,60% wird mit 150 Euro zwei Tage überzogen, bevor es wieder auf einen Plusbetrag ausgeglichen werden kann. Man rechnet also 150 * 10,6 * 2 und teilt das Ergebnis durch 100 * 360. Diese Kontoüberziehung würde für beide Tage also 8,3 Cent kosten. Das mag lachhaft klingen, aber natürlich werden die Zinsen höher, wenn mehr überzogen wird, der Zinssatz vielleicht noch höher ausfällt und es außerdem länger dauert, bis das Konto wieder im schwarzen Bereich ist.

Zusammenfassend kann man aber sagen, dass die Zinsen am Ende niedriger sind, wie sie im ersten Moment scheinen. Denn in der Regel dauert die Überziehung nicht einmal einen Monat, sondern nur ein paar Tage, bis wieder Geld reinkommt. In diesen Zeiträumen besteht auch bei hoch scheinenden Zinssätzen von 10-15 Prozent keine Chance, wirklich hohe Kosten zu verursachen.

Kann man den Dispo erhöhen? Wer bestimmt die Höhe?

Grundsätzlich lautet die Antwort ja. Man kann den Dispo auf Wunsch erhöhen oder verkleinern, sofern auch die Bank mitspielt. Dazu ist wissenswert, dass ein Dispokredit für die Bank ein Verlust ist, sofern er nicht zurückgezahlt wird. Deshalb bekommen auch nur gute Kunden mit guter Bonität einen entsprechend hohen Überziehungsrahmen bei der Kontoeröffnung oder später gewährt. Bei ihnen kann man eher davon ausgehen, dass die Bank auf dem Minusbetrag des Girokontos nicht sitzen bleibt. Folglich ist auch klar, dass die Bank die Höhe des Dispositionskredites bestimmt und nicht der Kunde irgendeinen beliebigen Wunschbetrag nennen kann.

Norisbank Giro für Dispo

Unser Tipp ist allerdings, den Dispo nicht zu erhöhen. Einen kleinen Spielraum zu haben, ist gut. Nur, um sicherzugehen, dass nicht bei 0 Schluss ist. Möchte man den Dispo aber erhöhen, gibt man sich selbst die Chance, das Konto noch mehr zu überziehen, was ebenso gleichzeitig das Risiko erhöht, dass man Minusbeträge irgendwann nicht mehr so einfach ausgleichen kann. Und genau das sollte vermieden werden. Am besten wird nur mit Vermögen gewirtschaftet, welches tatsächlich da ist und der Überziehungsrahmen nur selten mit kleinen Summen ausgenutzt, wenn es wirklich nicht anders geht.

Gegenteil von Dispozinsen / Sollzinsen: Habenzinsen

Ein kleiner Exkurs an dieser Stelle noch: Natürlich gibt es auch das positive Gegenteil von Zinsen, die dann nicht mehr selbst gezahlt, sondern von der Bank überwiesen werden. Diese nennen sich Habenzinsen und sind in der Regel sehr viel kleiner als der Dispozins. Mehr dazu haben wir im Artikel zu Girokonto-Zinsen zusammengefasst.

 



Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.