Kontoführungsgebühren – Girokonto mit oder ohne?

Kontoführungsgebühren können einerseits ein Indiz dafür sein, dass die Bank besonders guten und vor allem regionalen Service anbietet, andererseits sind auch solche Konten sehr beliebt, die sich kostenlos führen lassen und somit keine Kontoführungsgebühren haben. Was von beidem ist am Ende besser, was sind die Hintergründe dieser Gebühren und was sollte man bei dem Thema beachten?

Was genau sind Kontoführungsgebühren?

Hinter dem Begriff versteckt sich ein monatlicher Aufwand, den die Bank direkt vom Girokonto abbucht. Das kann direkt monatlich sein, viele Banken ziehen das Geld aber auch nur quartalsweise, also alle drei Monate ein. Mit diesen Gebühren verdient die Bank Geld, genau wie sie es mit Zinsen von Krediten tut. Die Kosten für den Kontoinhaber liegen im Schnitt bei maximal 6,95 Euro pro Monat, in Einzelfällen verlangen Banken auch noch mehr. Da es eben so unterschiedlich ist, können wir an dieser Stelle keine einheitliche Angabe machen und Sie müssen auf die Konditionen im Girokonto-Vergleich achten. Was außerdem zu beachten ist, und das wird im nächsten Punkt deutlich, ist dass die Konten meist ausschließlich über das Online- oder Mobile-Banking geführt werden können. Filialen gibt es da oft nicht.

Kostenloses Girokonto bei der Norisbank

Warum haben manche Konten eine Gebühr und manche nicht?

Wie vorher erwähnt, erzielen Banken u.a. mit den Kontoführungsgebühren ihren Umsatz. Es gibt aber solche und solche. Gute Beispiele für Girokonten mit Gebühren sind bei den Volksbanken oder Sparkassen zu finden. Zwar gibt es auch hier vereinzelt kostenfreie Konten, dann aber meist nur für bestimmte Gruppen wie junge Leute, Studenten oder Auszubildende. Nachdem die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen wurde, müssen auch diese Leute Gebühren bezahlen. Gute Beispiele für generell kostenlose Girokonten lassen sich bei der Postbank, Commerzbank oder Comdirect finden. Das sind typische Banken ohne Kontoführungsgebühren. Warum aber gibt es diese Unterschiede?
Dafür sehen wir uns die Banken-Struktur dieser Beispiele an. Denn im Gegensatz zu den Volksbanken und Sparkassen, die große Filialnetze betreiben und viele Mitarbeiter und Berater vor Ort beschäftigen, sind die anderen Banken sogenannte Direktbanken und betreiben diese großen Filial- und Beraternetze nicht. Hier wird sämtlicher Service über das Internet und Service-Hotlines abgewickelt. Das ist wesentlich günstiger und somit sind kostenfreie Girokonten (für alle) vor allem bei diesen Banken zu finden. Oberflächlich gesagt, sind diese Banken nicht auf die Einnahmen aus diesen Gebühren angewiesen. Auch da gibt es aber wieder Unterschiede: Entweder, das Konto und alles, was damit zu tun hat, ist bedingungslos kostenfrei (selten) oder nur dann ohne Gebühr, wenn der Kontoinhaber bestimmte Voraussetzungen erfüllt bzw. andere Konditionen die Gebühr ersetzen.

Gebühren

Welche Konditionen gibt es bei kostenfreien Girokonten?

Diese Konditionen beziehen sich meistens auf einen monatlichen Mindesteingang auf dem Girokonto. Sprich, das Konto ist nur dann kostenlos, wenn es a) als Gehaltskonto und b) mit einem Mindesteingang von 1.000 Euro pro Monat geführt wird (Beispielkonditionen). Kann der Kontoinhaber dieser Richtlinie nicht nachkommen, muss er Kontoführungsgebühren bezahlen. Genauso kann es aber sein, dass das Girokonto kostenlos ist, dafür aber Gebühren für einzelne Leistungen wie Überweisungen, Abhebungen, Kreditkartengebühren, Fremdwährungsgebühren usw. erhoben werden. Die Angebote für Girokonten ohne Kontoführungsgebühren sind also mit Vorsicht zu genießen und etwaiges Kleingedrucktes sollten Sie beim Kontovergleich unbedingt beachten. Was sich durchweg aber nicht vermeiden lässt, sind Dispo-Zinsen bzw. Sollzinsen. Diese müssen Sie zahlen, wenn Sie Ihr Konto überziehen. Da sollten Sie nur auf den effektiven Sollzinssatz achten, dass dieser nicht allzu hoch ausfällt.

Mögliche „Kostenfallen" im Überblick:

•    Kontoführungsgebühren, sofern Mindesteingang nicht erfüllt ist
•    Sollzinsen für überzogenes Konto gem. Kontovertrag (durchschn. 9,91 Prozent p.A.)
•    Gebühren für Nutzung einer Kreditkarte
•    Gebühren für Nutzung einer Zweit-/Partnerkarte
•    Gebühren pro Überweisung bzw. für den Versand einer mTAN
•    Gebühren beim Bezahlen und Abheben, insbesondere bei Fremdwährungen
•    Gebühren beim Abheben an fremden Geldautomaten (Stichwort: Cash-Pool oder Cash-Group)
•    Sonstige Gebühren abhängig von der jeweiligen Bank (z.B. Gebühr bei jeder Kontobewegung)

warnungSchauen Sie hinsichtlich all dieser Punkte also zweimal hin, wenn eine Bank ihr Konto als kostenlos bewirbt. Genauso verhält es sich übrigens auch mit Prämien wie Barauszahlungen oder Amazon-Gutscheinen, die es oft nur dann gibt, wenn mindestens 3 Monatsgehälter in bestimmter Höhe auf dem Konto eingehen oder andere Dinge erfüllt sind. Wir raten ohnehin davon ab, die Kontowahl davon abhängig zu machen. Das aber nur am Rande.

Ohne Kontoführungsgebühren mächtig sparen

Sofern Sie ein Konto erwischen, welches wirklich kaum Kosten aufwirft, können Sie im Vergleich zum teureren Filialbank-Girokonto mit bis zu 7 Euro oder mehr pro Monat im Jahr einen ordentlichen Betrag von bis zu 84 Euro oder mehr einsparen. Vor allem, wenn man ohnehin keinen Berater vor Ort braucht und hauptsächlich das Online-Banking benutzt, sollte es leicht fallen, sich nach neuen Konten umzuschauen und diesen Sparbetrag mitzunehmen. Weiter oben haben wir bereits unseren Artikel verlinkt, der sich mit Vergleichspunkten bei der Girokonto-Suche näher beschäftigt. Haben Sie sich bereits für ein neues kostenloses Girokonto entschieden, sollten Sie noch unseren Ratgeber zum Thema Wechsel eines Girokontos lesen, wo alle nützlichen Tipps zum optimalen Bank-Umzug gegeben werden. jugendliche_schueler_konto

Fazit: Girokonto ohne Gebühren

Auf den ersten Blick scheint das Angebot für kostenlose Kontoführung recht groß. Ob ein Girokonto am Ende aber wirklich richtig kostenlos ist, klärt sich erst mit den genauen Konditionen. Der Wegfall der Gebühren lässt sich zwar wirtschaftlich erklären, aber statt der monatlichen Pauschalkosten kann die Bank immer noch Servicegebühren bei allen möglichen Gelegenheiten verlangen und trotzdem mit dem Eye-Catcher „kostenloses Girokonto" werben. Aus Werbesicht ist das eine Grauzone, aber dazu sagen wir an dieser Stelle nur: Lesen Sie alles ganz genau durch und wenn die Konditionen abseits der fehlenden Kontoführungsgebühren passen, nehmen Sie sich das Konto vor. Geschenkt gibt es schließlich nichts; es gibt nur gute Angebote.

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Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.