Sparbuch & Sparkonto für Kinder – Was ist dabei zu beachten?

In fast allen Familien existiert es auf irgendeine Weise: Das Sparbuch oder Sparkonto für Kinder. Angelegt zur Geburt des Kindes oder zu einem anderen Zeitpunkt danach, wird von den Großeltern, den Eltern oder allen zusammen kontinuierlich eingezahlt, bis das Kind im späten Teenager-Alter oder passend zum achtzehnten Geburtstag frei darüber verfügen kann. Meist zur Finanzierung des Führerscheins, Studiums oder allgemein als Stütze zum Start in das selbstständige Leben nach der Schule. Aber was ist zu beachten, wenn so ein Sparbuch auf bis zu 16-18 Jahre bestehen soll, um es dann aufzulösen? Und gibt es spezielle Angebote für solch ein Sparbuch oder Sparkonto?

Dieser Ratgeber stellt diese Fragen in den Mittelpunkt und zeigt auf, was bei der Auswahl des Kontos zu beachten ist. Da es meist die Großeltern sind, die ein Sparkonto oder Sparbuch für das Enkelkind eröffnen, konzentrieren wir uns auf genau diesen Fall.

Sparbuch für Kinder von der ING Diba

Kritische Fragen zu Beginn

Zunächst möchten wir mit kritischen Fragen zum Thema Sparbuch oder Sparkonto für Kinder anfangen. Denn was früher gängige Praxis war, ist heute aufgrund vieler Einflüsse zu hinterfragen.

Angesichts des historisch niedrigen Leitzinses im Jahre 2016 und folgend steht beispielsweise zuerst einmal die Frage im Raum, ob sich ein Sparbuch oder Sparkonto fürs Kind überhaupt noch lohnt oder ob man nicht einfach zu gegebenen Zeitpunkt mit Bargeld unterstützt, wenn es sowieso kaum Zinsen gibt. Kein schlechter Einwand, denn meist werden pro Monat nur kleine Beträge überwiesen, weshalb sich erst in den letzten Jahren ein wirkliches Vermögen auf dem Konto befindet, bei dem sich die Verzinsung vielleicht lohnen kann. Ansonsten gibt es nur Cent-Beträge.

Außerdem gibt es die Frage, was angesichts der Deflation und Inflation all das angesparte Geld in den 16-18 Jahren noch wert ist. Niemand kann einen so langen Zeitraum voraussehen, schon gar nicht wirtschaftlich. Und dass ein Umschwung angesichts der heutigen Strukturen schnell gehen kann, ist kein Geheimnis. Wir erinnern uns an diverse Finanzkrisen und ihre Folgen für die bestehenden Strukturen.

Und eine Sache, die ebenfalls niemand voraussehen kann, ist, dass das Kind das Vermögen nach Erhalt sinnlos verprassen könnte. Da geht es natürlich mehr in den Themenbereich Erziehung und Sensibilisierung des Kindes in Bezug auf Geld und anstehende wichtige Ausgaben. Außerdem ist unbedingt einzutragen, dass einzig und allein das Kind später das Vermögen des Kontos erhält, bevor es zu Unstimmigkeiten kommt.

Das Sparangebot der Commerzbank für Kinder

Spezielle Angebote oder gewöhnliche Sparkonten?

Sind die Fragen geklärt und steht fest, dass ein Sparbuch oder Sparkonto fürs Enkelkind eröffnet werden soll, gibt es zwei Möglichkeiten. Alle Banken haben verschiedene Angebote für das Kindessparen im Programm. Ob es ganz spezielle Angebote zum Sparen fürs Enkelkind gibt, hängt von der Bank ab. Ansonsten eignen sich aber auch ganz normale Modelle sehr gut, zu denen wir gleich kommen. Unabhängig vom genauen Kontomodell, gibt es erst einmal zwei Varianten für Sie als Großeltern.

Eigenes Konto für die jüngesten

Einmal können Sie ein Sparbuch oder Sparkonto mit alleinigem Zugriffsrecht eröffnen, bei dem Sie das Enkelkind als dritten Begünstigten eintragen lassen, ansonsten aber ohne eine Extra-Regelung alleinige Vollmacht haben. Im vorzeitigen Todesfall ist dann auch geregelt, wer das bis dato angesparte Vermögen erhält. Der Vorteil dabei ist eine wesentlich unkompliziertere Eröffnung, bei der es lediglich und einzig Ihre Unterschrift sowie zwecks der Kindes-Begünstigung eine Klausel im Vertrag braucht. Ohne die Klausel ist es rechtlich unsicher, dass das Kind später definitiv in Besitz des Geldes kommt. Geburtsurkunden und Unterschriften der Eltern des Kindes sind nicht nötig. Außerdem weiß das Kind nichts von dem Konto und das Vermögen kann beispielsweise zum achtzehnten Geburtstag als große Überraschung übergeben werden. Achten Sie hinsichtlich der Abgeltungssteuer darauf, dass Sie ab einer Grenze von 801 Euro bzw. 1.602 Euro bei Zusammenveranlagung mit Steuerzahlungen für die ausgezahlten Zinsen zu rechnen haben. Um innerhalb der genannten Freigrenzen frei von Steuerzahlungen zu sein, braucht es einen Freistellungsantrag, bei dem Ihre Bank weiterhelfen kann. Die Schenkungssteuer sollte kein Thema darstellen, da das Enkelkind Beträge von bis zu 200.000 Euro steuerfrei entgegen nehmen darf.

Girokonto für Kinder

Konto mit Enkelkind als Inhaber/in

Die zweite Variante wäre, ein Sparkonto oder Sparbuch mit Inhaberschaft auf das Enkelkind zu eröffnen. Der Überraschungseffekt fällt dadurch aber sehr wahrscheinlich weg und auch die Kontoeröffnung ist durch geforderte Unterschriften aller Erziehungsberechtigten nicht mehr ganz so einfach möglich. Über die Unterschrift hinaus verlangen manche Banken vom doppelten PostIdent-Verfahren bis hin zu Geburtsurkunden, Heiratsurkunden oder Sorgerechtsbescheide noch weitere Extras und Dokumente. In den meisten Fällen haben Sie als Großeltern dann die Möglichkeit, direkt per Überweisung auf das Konto einzuzahlen. Sollte das nicht gehen, bleibt nur der Weg über die Eltern. Solang das Enkelkind minderjährig ist, können die Eltern per Vollmacht jederzeit auf das Konto zugreifen, was Sie als Großeltern vielleicht nicht so gerne haben. Ab Erreichen der Volljährigkeit erlischt die Vollmacht der Eltern automatisch und Ihr Enkelkind kann voll und ganz auf das Geld zugreifen. Hinsichtlich der Steuern ist auch hier der Freistellungsantrag für die Abgeltungssteuer zu beachten. Die Schenkungssteuer kennt verschieden hohe Freigrenzen, wird aber wahrscheinlich auch hier nicht zum Thema.

Welche Kontoarten eignen sich zum Sparen fürs Enkelkind?

Welche der beiden oben genannten Varianten Sie wählen, steht Ihnen frei. Zu empfehlen ist aber der erste Weg, allein schon wegen der unkomplizierteren Eröffnung. Im Folgenden beschäftigen wir uns nun mit verschiedenen Produkten, die als Sparbuch bzw. Sparkonto für Kinder infrage kommen.

Tagesgeld-Konto

Eigentlich sind die Zinsen derzeit so niedrig, dass sich ein Tagesgeldkonto kaum lohnt. Aber trotzdem ist es die meistgewählte und eigentlich auch sinnvollste Möglichkeit, fürs Enkelkind zu sparen. Ein Tagesgeldkonto funktioniert eigentlich wie ein Girokonto mit besserer Verzinsung und zudem oft auch Zinsgarantien. Es gibt keine Kontoführungsgebühren oder sonstige Kosten und der auf dem Konto befindliche Betrag wird zumindest einigermaßen verzinst. Hinsichtlich der Zinsen lohnt es sich, wenn kein Tagesgeldkonto bei der Hausbank eröffnet werden soll, weitere Banken bzw. Anbieter zu vergleichen. Sollten Sie beispielsweise 20 Euro im Monat auf dieses Konto überweisen, könnten Sie dem Enkelkind zum richtigen Zeitpunkt bis zu 4.320 Euro überreichen. Dazu kommt noch der über all die Jahre angehäufte Zinsbetrag. Die Überweisung funktioniert einzeln wie auch als Dauerauftrag. Ein letzter Vorteil ist noch, dass Sie nicht sofort einen hohen Betrag investieren müssen, sondern die Summe auf dem Konto kontinuierlich Monat für Monat anwächst. Die Kündigung des Kontos ist zum gewünschten Zeitpunkt möglich.

Festgeld-Konto

Das Festgeld-Konto bietet keine derart flexible Kontoführung wie das Tagesgeld-Konto und kann zwischendurch nicht aufgestockt werden. Haben Sie aber bereits jetzt einen festen Betrag, z.B. 1.000 Euro übrig und wollen diesen anlegen, ist das Festgeld-Konto eine gute Möglichkeit. Hier wird eine feste Laufzeit vereinbart, also wohl die verbleibende Zeit bis spätestens zum 18. Geburtstag des Enkelkinds. Das Konto ist dann fest und nicht vorher kündbar. Der Betrag wird auf dem Konto gutgeschrieben und über all die Jahre immer weiter verzinst. Eine Aufstockung des Betrags ist meistens nicht möglich. Außerdem ist zu beachten: Trotz dass die Zinsen höher als beim Tagesgeld als Sparbuch bzw. Sparkonto für Kinder sind, wird der nachher ausgezahlte Betrag niedriger sein. Nur von den Zinsen lässt sich kein Betrag anhäufen, der so groß ist wie beim kontinuierlichen Dazulegen pro Monat ist. Sie sehen, dass ein Festgeld-Konto eher nicht so gut wie ein Tagesgeld-Konto ist. Möchten Sie dennoch diesen Weg gehen, können Sie sich bei Ihrer Hausbank erkundigen oder in Online-Vergleichen weitere Angebote vergleichen.

Auszahlungsplan (bei Festgeld)

Wenn Sie sich für Festgeld entscheiden, können Sie – vorbeugend dem Problem, dass das Geld bei Auszahlung sofort in voller Höhe sinnlos ausgegeben wird – einen aufbauenden Auszahlungsplan festlegen. Das angesparte Geld wird dann ab einem bestimmten Zeitpunkt monatlich oder quartalsweise ausgezahlt. Geht es zum Beispiel um die Finanzierung des Studiums, kann der jeweils notwendige Zuschuss so über einen längeren Zeitraum gesichert werden.

Baumsparvertrag

Nein, wir haben uns nicht verschrieben. Bei dieser Anlage handelt es sich wirklich nicht um einen Bausparplan, sondern um Bäume. Sie können für 360 Euro und mit 12 Bäumen pro Jahr die Beforstung in Panama unterstützen. Jedes Jahr aufs Neue ist das möglich. Nach 25 Jahren sind die Hölzer eine äußerst wertvolle Sache und bringen gute Erträge, die die Enkel wiederum selbst zum Sparen nehmen können. Das ist zwar nicht der traditionelle Weg über monatliche Einzahlungen und die Übergabe der angewachsenen Summe spätestens zum 18. Geburtstag, aber eine schöne Alternative mit zudem einem ökologisch korrekten, nachhaltigen und sinnvollen Effekt. Außerdem ist die Rendite wesentlich höher als bei sämtlichen Bankprodukten, die derzeit angeboten werden.

Ausbildungsversicherung

Ebenfalls abseits der Banken lässt sich noch die Ausbildungsversicherung finden, von denen aber allgemein eher abgeraten wird. Hier handelt es sich um eine Kapitallebensversicherung mit monatlichem Ansparen. Zu Beginn der Berufsausbildung oder des Studiums erhält das Enkelkind den Betrag. Sollte es vorher zum Todesfall kommen, übernimmt die Versicherung die weitere Einzahlung. Aber wie es bei Versicherungen so üblich ist, hat die Versicherung bei relativ hohen Kosten nur eine geringe Rendite; nämlich die reinen eingezahlten Beträge. Eine Verzinsung oder Wertsteigerung wie bei den anderen Möglichkeiten findet nicht statt.

Kostenloses Girokonto der Norisbank

Zum Dispokredit gibt es kostenlos das Girokonto der Norisbank

Fazit: Sparbuch oder Sparkonto für Enkelkinder

Grundsätzlich gibt es beim Sparen fürs Enkelkind bzw. Sparen fürs Kind keine großartigen Barrieren. Sie sollten direkt mit der Zieläußerung des neuen Kontos auf die Bank zugehen und sie wird dementsprechend die Eröffnung ausführen. Dabei empfehlen wir, das Konto in eigener Inhaberschaft zu eröffnen. Ob Sie Tagesgeld, Festgeld oder eine der beiden Alternativen wählen, ist Ihnen überlassen.

Wir empfehlen aufgrund der maximalen Flexibilität und der kontinuierlichen Einzahlung auf jeden Fall das Tagesgeld-Konto und raten von der Ausbildungsversicherung ab. Ebenso raten wir von Festgeld eher ab, weil der finale Betrag ohne eine beträchtliche Einzahlungssumme recht gering ausfällt. Der Baumsparplan ist eine schöne und alternative Idee, wobei die genaue Rendite hier nicht bekannt ist. Ein Nachteil könnte sein, dass das Geld auf jeden Fall nicht zum spätestens achtzehnten Geburtstag komplett ans Enkelkind übergeben werden kann, sondern erst später nach und nach jährlich ankommt. Da handelt es sich also nicht ums klassische Sparbuch oder Sparkonto für Kinder und Enkelkinder, aber schlecht es genauso wenig. Angesichts der Zinssituation ist es mit höherem „Gewinn" sogar besser.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? – Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!

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Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.