Vergleich

Tagesgeld vs. Festgeld – Wo genau liegen die Unterschiede?

Tagesgeld wie auch Festgeld gehören zu den klassischen Bank-Anlageformen, die sich trotz renditestärkeren Geldanlagemöglichkeiten wie Aktien, Fonds und Anleihen noch immer großer Beliebtheit erfreuen. Laut einer aktuellen Statistik von STATISTA nutzt die Hälfte aller deutschen Bankkunden ein Tagesgeldkonto zum Sparen. Immerhin noch 18 Prozent sind mit einem Festgeldkonto dabei, Überschneidungen gibt es. Tagesgeld scheint attraktiver als Festgeld zu sein und gerade hinsichtlich unseres Festgeld-Themenbereichs haben wir uns daher gefragt: Welche hauptsächlichen Charakteristiken und Unterschiede machen die beiden Geldanlageformen aus?

Festgeld und Tagesgeld – Was ist darunter zu verstehen?

FragezeichenBeim Tagesgeld sprechen wir im Grunde von einem einfachen Sparkonto, welches besonders gut verzinst wird und über dessen Guthaben der Kontoinhaber jederzeit frei verfügen kann. Er kann Geld dazu buchen oder abheben, oder das Geld einfach unberührt liegen lassen. Beim Festgeld sprechen wir wiederum von einem geschlossenen Sparkonto, welches ebenfalls attraktiv verzinst wird, dessen Guthaben aber fest für eine vorher bestimmte Laufzeit verschlossen bleibt. Bei einer Anlage von mehreren Jahren greift zudem das Zinseszins-Prinzip, sodass die Zinsen des Vorjahres im jeweils darauffolgenden Jahr wieder mit verzinst werden.

Festgeld und Tagesgeld im Vergleich – Gemeinsamkeiten

Sprechen wir über Gemeinsamkeiten, so fallen bei Festgeld und Tagesgeld durchaus welche auf. Einmal gehören beide Geldanlagen zu den klassischen Bank-Anlageformen und sind somit in der Regel kostenlos. Sie sind bei eigentlich jeder Bank zu bekommen, das Tagesgeldkonto gibt es ohne weitere Frage anstelle eines normalen Sparkontos meist sogar standardgemäß zum Girokonto dazu. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass beide Geldanlageformen eine sehr hohe Sicherheit mitbringen. Sie sind daher für alle Sparer geeignet, die ihr Geld ohne das Risiko anlegen möchten, dass das Geld verloren gehen kann. Beim Festgeld und Tagesgeld kann höchstens die Pleite der Bank für den Verlust des Geldes sorgen. Das allein ist aber relativ unwahrscheinlich, und selbst wenn es doch zu einem Crash kommt, greift die gesetzliche Einlagensicherung automatisch und erstattet ein Vermögen von bis zu 100.000 Euro pro Person pro Bank pro Jahr. Eine dritte Gemeinsamkeit ist leider eher ein Nachteil, denn so sicher die beiden Geldanlagen sind, so renditearm sind sie leider auch. Gerade in Zeiten des Niedrigzinses lohnen sich Tagesgeld und Festgeld zinsmäßig kaum. Es kommen aber sicher auch wieder andere Zeiten. Wer einen direkten Vergleich möchte, sollte dann eher zum Festgeld tendieren, weil es dort die statistisch besseren Renditen gibt.

Festgeld und Tagesgeld – Unterschiede

Von den drei Gemeinsamkeiten kommen wir nun zu den Unterschieden. Von ihnen gibt es zwei besonders wichtige, die wir in diesem Kapitel genauer beleuchten. Sie sind ausschlaggebend dafür, für welche beider Sparformen man sich entscheiden sollte. Sofern man Tagesgeld oder Festgeld überhaupt ins Auge gefasst hat.

Zinsen

Ein erster Unterschied ist das Zinsniveau, wie wir es vorhin bereits erwähnt haben. Festgeld wird mit durchschnittlich 1,5-2,5 Prozent verzinst (effektiv pro Jahr mit Zinseszins am dem zweiten Jahr). Da kommt es darauf an, wie viel wie lange bei welchem Anbieter angelegt wird. Sie können hier einen Festgeldvergleich machen. Beim Tagesgeld ist die Verzinsung meist unter einem Prozent, in Einzelfällen kann aber auch hier ein Spitzenzinssatz von 1,2-1,5 Prozent erreicht werden. Um das beste Angebot zu finden, können Sie auch hier einen speziellen Tagesgeldvergleich nutzen. Mit in den Punkt Zinsen fällt auch die Zinsgarantie, die beim Festgeld gegeben ist und beim Tagesgeld nicht. Das heißt, beim Festgeld wird das Vermögen immer mit dem gleichen Zins verrechnet, beim Tagesgeld dagegen kann sich der Zins variabel verändern.

Verfügbarkeit

Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt es auch hinsichtlich der Verfügbarkeit einen deutlichen Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld. Beim Tagesgeld kann der Kontoinhaber ständig Geld dazulegen oder abheben, und das täglich. Beim Festgeld bleibt das Vermögen über die gesamte Laufzeit hinweg jedoch verschlossen. Höchstens die jährlichen Zinsgewinne können ausgezahlt werden. Daher ist es wichtig, dass beim Festgeld nur so viel angelegt wird, wie man die kommenden Jahre tatsächlich nicht braucht. Eine Aufstockung oder ein Abheben des Vermögens ist nicht möglich. Tagesgeld ist somit die weitaus flexiblere Variante des Sparens von beiden.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Überblick

 TagesgeldFestgeld
SicherheitSehr hoch, Einlagensicherung hilft im Schadensfall ausSehr hoch, Einlagensicherung hilft im Schadensfall aus
VerfügbarkeitTäglich in voller HöheGar nicht verfügbar, höchstens jährliche Zinsgewinne auszahlbar
ZinsenNiedrig bis mäßig (dem derzeitigen Zinsniveau entsprechend)Mäßig bis hoch (dem derzeitigen Zinsniveau entsprechend)
ZinsänderungsrisikoKann passieren, sofern der Zins steigt, sogar gut für den SparerKein Risiko, der Zinssatz bleibt immer gleich
KostenIn der Regel kostenlosIn der Regel kostenlos

Wann sollte was gewählt werden?

Festgeld: Ein Festgeldkonto sollte immer dann eröffnet werden, wenn man einen höheren und zudem grundsätzlich festen Zins einstreichen möchte und im Gegenzug bereit ist, das Geld für die Laufzeit abzugeben, ohne darüber verfügen zu können. Ebenso dann, wenn man auf der Suche nach einer sehr sicheren Geldanlage ist. Suchen Sie das bestmögliche Angebot, um die höchste Rendite herauszuholen.
Tagesgeld: Ein Tagesgeldkonto sollte immer dann eröffnet werden, wenn man trotz des Sparens zwischenzeitlich die Möglichkeit haben möchte, Geld von dem Konto abzuheben oder auch dazu zu packen. Dafür lässt man sich allerdings auf einen variablen und nicht ganz so hohen Zins ein, der sich je nach Marktsituation verändern kann. Genau wie Festgeld ist auch das Tagesgeld eine sehr sichere Geldanlage.

Variabler Zins oder fester Zins – Was ist besser?

Hinsichtlich der im Text und in der Tabelle erwähnen Zinsänderungsrisiken müssen wir noch die Frage klären, ob denn nun der variable Zins des Tagesgeldes oder der feste Zins des Festgeldes besser ist. Kurz und knapp lässt sich nur sagen, dass beide ihre Vor- und Nachteile haben. Der variable Zins kann zwischenzeitlich steigen, wodurch der Sparer mehr Rendite hat. Genauso kann er aber auch sinken, sodass noch weniger Gewinn erzielt wird. Dieses Risiko gibt es beim festen Zins des Festgeldes nicht, allerdings ebenso auch keine Gewinne aus Zinserhöhungen. Was das allgemeine Zinsniveau macht, spielt für das Festgeld keine Rolle.

Unsere Einschätzung: Wir versuchen uns an dieser Stelle noch an einer Einschätzung der kommenden Jahre. Dadurch, dass wir bereits einige Zeit die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank mitbekommen und Sparzinsen immer weiter in den Keller gefallen sind, gehen wir eher davon aus, dass die Zinsen in den kommenden Jahren langsam wieder steigen werden. Aktuell ist das nicht abzusehen, aber weitere Zinsminderungen sind bald kaum mehr möglich. Entweder also der Zins steigt wieder, oder aber er bleibt noch ein wenig auf dem jetzigen Niveau. Wer auf einen möglichen Zinsanstieg spekulieren möchte, sollte auf Festgeld mit einer eher geringen Laufzeit von 3 Jahren oder weniger mit anschließenden Re-Investment setzen, bzw. jetzt ein gutes Tagesgeldkonto eröffnen und hoffen, dass die Zinsen nicht mehr fallen. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht, genauso nicht für den Anstieg. Was die EZB als nächstes macht, weiß nur sie selbst.

Kombigeld – Mischung aus Tagesgeld und Festgeld

Zu guter Letzt möchten wir noch auf eine bisher weitestgehend unbekannte Alternative für Tagesgeld und Festgeld aufmerksam machen. Denn im Kombigeld, welches bereits einige Banken anbieten, finden sich die Vorteile beider Geldanlagen in einer Form wieder. Das gewünschte Vermögen wird nach Festgeld-Prinzip – also mit einem festen Zinssatz – angelegt, wobei aber ein bestimmter Prozentsatz des Vermögens nach dem Tagesgeld-Prinzip verfügbar bleibt. Es handelt sich nicht um ein 50/50-Verhältnis, aber immerhin um wenigstens einen kleinen Teil des Geldes. Im Gegenzug für diese eingeräumte Flexibilität wird ein etwas niedrigerer Zinssatz als beim Festgeld gewährt. Der Zins ist also zwar fest, aber nicht so hoch, als wenn man ein Festgeldkonto allein eröffnet. Das Kombigeld eignet sich für diejenigen, die einerseits die besseren Zinsen von Tagesgeld und Festgeld haben möchten und die Sicherheit schätzen, trotzdem aber zwischendurch die Möglichkeit haben wollen, auf einen Teil des Geldes zugreifen zu können. Etwa dann, wenn man beispielsweise 5 Jahre Festgeld anlegen möchte, aber einfach nicht einschätzen kann, ob man nicht in 3 Jahren aufgrund einer größeren Anschaffung noch einmal Geld gebrauchen könnte. Im Zweifel reicht dann der Anteil vom Kombigeld aus, ohne extra einen Kredit aufnehmen zu müssen.

Wir interessieren uns für Ihre Erfahrungen: Erzählen Sie uns doch in den Kommentaren, ob Sie sich für Festgeld oder Tagesgeld entschieden haben und welche Erfahrungen Sie dabei machen konnten. Oder ob Sie eine Zinsschwankung tatsächlich schon einmal auf Ihrer Geldanlage miterlebt haben. Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu lesen.

 


Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.