Deutschlands günstigste Online-Kredite hier vergleichen:

Vermögengsberatung

Wie gefährlich sind ETFs?

Der Erfolg von börsengehandelten Fonds nimmt kein Ende. Die sogenannten ETF (Exchange Traded Funds) gewinnen von Jahr zu Jahr Marktanteile dazu. Das geht vor allem zulasten der aktiv gemanagten Fonds. Denn die meisten ETFs sind Indexfonds, sie bilden also einen Index wie den DAX ab. Steigt der DAX um 1,3 Prozent, steigt auch der DAX-ETF um 1,3 Prozent. Einige ETFs haben auch eigene Indizes kreiert, etwa mit besonders dividendenstarken Aktien. Fondsmanager, die gezielt einzelne Aktien auswählen, beschäftigen sie im Regelfall nicht.

ab 0,00%
eff. Jahreszins
  • kostenlose, schufaneutrale Anfrage
  • schneller, unkomplizierter Kreditantrag
  • Auszahlung binnen 24 Stunden möglich
  • niedrige monatliche Rate ab 0,00% eff. Jahreszins!

Eine Gefahr für die Börsen und das Geld der Anleger sei das, wettern die Vertreter der klassischen Fondsgesellschaften in Finanzzeitschriften. Haben sie recht oder fürchten Sie nur um ihre Pfründe? Wir haben nachgefragt und untersuchen sechs Thesen:

  1. Indexfonds verschenken Gewinne und kaufen überbewertete Aktien
  2. Gute aktive Fonds sind auch morgen noch gut – und schlagen den Index
  3. Käufer von Indexfonds sind Trittbrettfahrer
  4. Synthetische Indexfonds sind ähnlich unsicher wie Zertifikate
  5. Indexfonds vernachlässigen kleine und junge Firmen
  6. ETFs achten nicht ausreichend auf das Risikomanagement

Indexfonds verschenken Gewinne: Stimmt nicht

Es hört sich ganz plausibel an: Fondsmanager suchen die besten Aktien, Indexfonds geben dagegen allen Geld. Ist das nicht gefährlich? Schließlich würde auch eine Bank nicht jedem Antragsteller einfach einen Kredit geben.

Die Kritiker gehen sogar noch weiter. Damit schaden die Indexfonds nicht nur ihren Kunden, sondern auch der Weltwirtschaft, weil sie schlecht wirtschaftenden Unternehmen Geld geben. Doch das ist schon deshalb falsch, weil Aktionäre ihre Aktien – außer bei Neuemissionen – nicht von den Unternehmen kaufen, sondern von anderen Aktionären.

Teilweise wird die Kritik noch konkreter. Indizes wie der DAX gewichten Firmen nach ihrem Börsenwert. Steigt der Kurs einer Aktie schneller als die anderer Firmen im Index, dann steigt auch das Gewicht dieser Aktie im Index. Indexfonds würden deshalb ganz automatisch nur übergewichtete Aktien kaufen, lautet ein Vorwurf.

ETF Sicherheit

Entwickelt sich eine Aktie schlechter als der Markt, sinkt ihr Gewicht im Index. Das heißt aber nicht, dass sie jetzt automatisch unterbewertet ist. Meist stehen, wie bei der Deutschen Bank, reale Entwicklungen hinter dem Rückgang. Foto: Pressebild der Deutschen Bank

Die Argumentation hat aber einen entscheidenden Fehler. Sie erweckt den Eindruck, als würden Aktien zufällig steigen und fallen. Doch die Kurse an der Börse spiegeln die Erwartungen der Aktionäre. Teure Aktien sind teuer, weil ihre Zukunftsaussichten gut sind. Die Aktien einer danieder liegenden Firma will niemand kaufen. Entsprechend fällt der Preis. Und zwar so lange, bis es wieder genug Käufer gibt.

Schwarmintelligenz

Die gibt es aber erst, wenn der Kurs einigermaßen fair bewertet ist. Eine Aktien ist nach einem Kurseinbruch keineswegs automatisch unterbewertet, so wie eine Aktie nach einem starken Anstieg keineswegs überbewertet sein muss. Verfechter der Trendfolgestrategie raten sogar Aktien zu kaufen, die zuletzt gestiegen sind.

Aktive Fonds Nachteile

Aktiv gemanagte Fonds versprechen eine Auswahl der besten Papiere. Aber das schaffen die wenigsten.

Die Effizienzmarkthypothese geht dagegen davon aus, dass die Kurse alle Informationen enthalten und Gewinne und Verluste an der Börse deshalb nur durch Glück möglich ist. Die Auswahl von Einzelaktien sei deshalb sinnlos.

Die These ist umstritten. Aber selbst wenn sie in ihrer Radikalität falsch ist so bleibt doch festzuhalten, dass es nicht leicht ist durch Aktienauswahl besonders hohe Gewinne zu machen. Denn der Marktpreis ist eine Art Mittelwert aus der Einschätzung aller Marktteilnehmer – und solche Schätzungen sind oft sehr gut. Warren Buffet rät nur dem besten 1,0 Prozent zu einem aktiven Investment.

Gute Fonds sind auch morgen gut: Falsch

Oft entscheidet vor allem das Glück, ob Fondsmanager den Markt schlagen. Deshalb bringt es auch wenig, einfach einen in der Vergangenheit gut gelaufenen (aktiven) Fonds zu kaufen. Der Zufall hat bekanntlich kein Gedächtnis. Deshalb sagt eine gute Entwicklung in der Vergangenheit wenig über die Zukunft. Der Blick zurück kann sogar zu kurzfristigem Denken animieren.

Denn nicht immer sind die Interessen der Fondsmanager auch die des Kunden. In den Sozialwissenschaften wird das Prinzipal-Agent-Problem genannt. Weil sich viele Kunden an der Entwicklung des Fonds in der Vergangenheit orientieren, müssen die Manager ständig die Performance im Blick haben – und unter Umständen damit sogar gegen die Interessen ihrer Kunden arbeiten.

Vertrauen Merkur Bank

Viele Banken behaupten, sie würden gegen den Strom schwimmen, hier etwa die Merkur Bank. Aber die meisten schaffen das nicht. Und in der Mehrzahl der Fälle ist das auch gar nicht sinnvoll. Denn vielleicht hat der Schwarm ja auch recht, wenn er beispielsweise Amazon eine prächtigere Zukunft vorhersagt als vielen klassischen Einzelhändlern.

Natürlich gibt es nicht nur Schwarmintelligenz, sondern manchmal auch Schwarmdummheit. Das Problem daran ist nur: Die Fondsmanager sind Teil diese Schwarms. Sie unterliegen den gleichen Fehlern wie ihre Kollegen. Und wenn nicht, dann begeben sie sich in Gefahr, wenn sie den Schwarm verlassen. Niemand weiß genau, wann eine Aktie überbewertet ist. Wer zu früh aussteigt verliert womöglich Kunden, weil er sich Gewinne entgehen lässt. Erfolgt die erwartete Korrektur erst nach zwei, drei Jahren, dann ist er seinen Job eventuell schon los.

Hinzu kommt: Der Manager eines aktiven Fonds muss nicht nur den Markt schlagen, sondern das so deutlich tun, dass er auch die hohen Verwaltungskosten refinanzieren kann. Allerdings muss man feststellen, dass einige Robo Advisor wie VisualVest behaupten, sie könnten durch gezielte Auswahl besonders gute aktive Fonds finden. Tatsächlich war das Unternehmen von 2013 bis 2017 damit sehr erfolgreich. Ob das auch langfristig der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Käufer von INdexfonds sind Trittbrettfahrer: So nicht richtig

Indexfonds profitieren von der Effizienz des Marktes. Für viele Fondsmanager sind sie deshalb Trittbrettfahrer. Sie profitieren von der Arbeit der Analysten ohne für sie zu bezahlen. Sie verhalten sich damit ähnlich fragwürdig wie Kunden, die sich beim Einzelhändler beraten lassen und dann online einkaufen.

Doch der Vergleich mit den ausgenutzten Einzelhändlern trifft nicht zu. War ist nur, dass ETF-Kunden von informierten Marktteilnehmern profitieren. Würden alle Kunden nur noch ETFs kaufen, dann wären die Märkte nicht mehr effizient.

fonds

Doch kein ETF-Kunde muss deshalb ein schlechtes Gewissen haben. In dem Moment, wo die Effizienz der Märkte sinkt, können aktive Fondsmanager auch wieder höhere Gewinne machen. Es steht also nicht zu befürchten, dass ETFs die Märkte völlig ineffizient werden lassen. Sie werden maximal so ineffizient, dass die Gewinne ausreichen um ein Fondsmanagement zu bezahlen.

Synthetische ETFs sind unsicher wie Zertifikate: ein wahrer Kern

Ein weiterer Vorwurf an ETFs lautet, die Kunden wüssten nicht, dass viele Fondsgesellschaften die Aktien des abgebildeten Index gar nicht besitzen. Das stimmt. Viele ETFs bilden einen Index nur synthetisch ab. Während physisch replizierende ETFs die im Index enthaltenen Aktien im gleichen Verhältnis besitzen, wie sie auch im Index gewichtet sind, können synthetisch replizierende ETFs ganz andere Wertpapiere ins Depot legen. Durch sogenannte Swap-Geschäfte sichern sie sich allerdings ab. Entwickelt sich das Portfolio schlechter als der Index, würde der Swap-Partner die Differenz ausgleichen.

Scalable Capital ING-DiBa

Vermögensverwalter wie Scalable Capitel vermitteln oft überwiegend physisch replizierende ETF.

Dieser Partner kann aber insolvent werden – und dann fehlt dem Fonds Geld. Allerdings sind ETFs deswegen keinesfalls so unsicher wie Zertifikate. Immerhin würde noch das alternative Wertpapierportfolio bleiben. Die Kunden würden damit nur einen Teil des Gelds verlieren.

Außerdem können Kunden gezielt physische replizierende Fonds wählen. Wem das zu umständlich ist, der kann auch eine automatisierte Vermögensverwaltung nutzen. Gute Robo Advisor achten darauf, das synthetisch replizierende ETFs nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen.Beispielsweise bei Rohstoffen, wo die physische Replikation teuer ist.

Indexfonds vernachlässigen kleine und junge Firmen: Stimmt

Für Neugründungen gibt es meist noch keinen funktionierenden Markt. Kleine Firmen sind auch oft in keinem Index enthalten. In diesem Bereich kann ein aktiv gemanagter Fonds tatsächlich sinnvoll sein. Schließlich verbietet es niemand, aktiv und passiv verwaltete Fonds gleichzeitig zu besitzen.

Union Investment

Wer in junge Aktien investieren will, für den kann ein aktiv gemanagter Fonds tatsächlich die bessere Wahl sein. Foto: Pressebild der Union Investment

Indexfonds sorgen nicht für ausreichende Streuung: Stimmt teilweise

In die gleiche Richtung zielt der Vorwurf, ETFs würden nicht für eine ausreichende Streuung sorgen. Zunächst mal ist die natürlich deutlich höher als bei Einzelaktien. Der DAX enthält 30 Firmen, der FAZ-Index sogar 100. Mit internationalen Indizes lassen sich die Risiken noch breiter streuen.

Allerdings müssen Kunden sich meist entscheiden. Der FAZ-Index umfasst 100 Firmen, aber alle aus Deutschland. Der MSCI World All Countries ist international, enthält aber nur große Unternehmen. Eine breite Streuung ergibt sich also erst, wenn man unterschiedliche ETFs kauft.

Risiko bei ETFs

Ab 50,- Euro stellt ein Robo Advisor bei der Wüstenrot Bank ein zum Risikoprofil passendes Depot zusammen.

Vor allem bei kleineren Summen ist das nicht leicht. Erst recht nicht, wenn man mit einem Sparplan monatlich nur 100,- Euro einzahlen will. Auch hier hilft die automatisierte Vermögensverwaltung aber weiter. Es gibt Angebote bei denen Kunden weniger als 1,0 Prozent des Depotvolumen pro Jahr zahlen müssen und dafür ein breit gestreutes Portfolio an ETFs auf Aktien und Anleihen bekommen. Bei Wüstenrot Direct genügt ein Sparplan mit monatlich 50,- Euro Einzahlung oder eine einmalige Investition von 2.500,- Euro, um in den Genuss dieses Dienstes zu kommen. Konkurrent quirion verlangt mindestens 10.000,- Euro, bietet dafür auf Wunsch aber auch ergänzende Beratungsleistungen.

Fazit

Die meisten Kritikpunkte an passiven Fonds sind weniger überzeugend. Einige haben einen wahren Kern, doch darauf können Kunden reagieren. Idealerweise investieren sie in ETFs aus verschiedenen Regionen. Wer sich das nicht zutraut, kann damit eine Vermögensverwaltung beauftragen. Dank moderner Robo Advisor gibt es diese Angebote, die früher oft erst ab einem Geldvermögen von 1.000.000,- Euro angeboten wurden, heute schon für kleine Beträge und mit geringen Kosten. Und letztendlich spricht auch nichts dagegen, ein ETF-Portfolio durch einen aktiv gemanagten Fonds abzurunden.



Brigitte Papst

Redakteurin Kredite.org

Brigitte Papst

Brigitte Papst schreibt als freie Redakteurin über Finanz-, Immobilien- und Verbraucherthemen. Sie studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität in Münster sowie "International Relations" (M.A) an der University of Birmingham (Großbritannien). Neben ihrer journalistischen Tätigkeit arbeitet Papst als Unternehmens- und Anlageberaterin. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.