Postbank Tagesgeld – Test und Erfahrungen

Vor dem Aufkommen der EC-Karten waren Postsparbücher vor allem wegen ihrer internationalen Verfügbarkeit beliebt. Vom Postsparbuch konnte man beispielsweise beim Italienurlaub in einer Niederlassung der Poste Italiane Geld abheben und musste keinen teuren Reisescheck einlösen. Ein bisschen hat sich dieser alte Vorteil erhalten, denn mit der Sparcard sind vier Abhebungen im Ausland pro Jahr kostenfrei – und zwar an jedem Automaten mit VISA-Symbol. Daneben bietet die Postbank aber auch ein Tagesgeld in Kombination mit ihren Girokonten. Eine gute Wahl?

Postbank Tagesgeld im Test

Testkategorie 1: Tagesgeld

Zwei Tagesgeldprodukte bietet die Postbank aktuell. Das klassische Tagesgeldkonto gibt es aber nur als Bestandteil des Girokontos. Allerdings sind alle Girokonten mit Ausnahme des Giro extra plus kostenpflichtig – und auch das ist erst ab einem Geldeingang von 3.000,- Euro pro Monat gebührenfrei.

Wer nicht ohnehin ein Girokonto bei der Postbank eröffnen will, für den ist die Sparcard deshalb die bessere Wahl. Dabei handelt es sich streng genommen um ein Sparbuch und kein Tagesgeldkonto, auch wenn Kunden kein echtes Büchlein mehr bekommen. Die Konditionen entsprechen aber denen beim alten Postsparbuch. Statt früher 3.000,- DM können jetzt 2.000,- Euro pro Monat können jederzeit abgehoben werden, für höhere Auszahlungen muss das Konto drei Monate vorher gekündigt werden.

Postbank Tagesgeld Konditionen

Die Konditionen des Postbank-Tagesgeldkontos auf einen Blick (Quelle: Postbank)

Dafür bietet die Sparcard – außer der Gebührenfreiheit – noch einige weitere Vorteile gegenüber dem Tagesgeld. Mit ihr kann an allen Automaten der Postbank und der Cash Group Mitglieder auch Bargeld direkt vom Sparkonto abgehoben werden. Zur Cash Group gehören neben der Postbank und ihrer Muttergesellschaft Deutsche Bank auch die Commerzbank und die HypoVereinsbank sowie deren Tochtergesellschaften. Viermal im Jahr sind Abhebungen an ausländischen Automaten möglich, wenn diese VISA-Karten akzeptieren. Sollte die Bank dennoch Gebühren verlangen, werden diese von der Postbank ersetzt.

Eine Mindest- oder Höchsteinzahlung gibt es weder beim Tagesgeld noch bei der Sparcard. Allerdings werden für hohe Guthaben mitunter weniger Zinsen gezahlt. Ohnehin liegen die Zinssätze meist niedriger als bei ausländischen Postbanken.

Zwischenfazit Tagesgeld: Ein großer Vorteil ist vor allem die Möglichkeit, mit der Sparcard direkt vom Sparkonto Geld abzuheben – auch im Ausland.

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Testkategorie 2: Weitere Bankprodukte

Die Postbank ist traditionell Spezialist für den Zahlungsverkehr. Die Postscheckämter gehörten überall in Europa zu den ersten Geldinstituten, die Zahlungen auch über weitere Strecken problemlos möglich machten. Denn die meisten Banken waren nur regional organisiert, erst das Postscheckverfahren erlaubte Zahlungen ohne große Probleme auch über weite Strecken hinweg. 1983 boten die Postscheckämter, die ein Jahr später in Postgiroämter umbenannt wurden, mit als erste Banken Online-Banking, damals noch über den Bildschirmtext (btx) der Deutschen Bundespost.

Postbank Tagesgeld Anlageformen

An Anlageformen für Ihr Geld mangelt es der Postbank definitiv nicht (Quelle: Postbank)

Lange Zeit war der Postscheckdienst die einzige Bankdienstleistung der Post. Postsparbücher kamen erst durch den „Anschluss“ Österreichs zum Sortiment. Dort gab es sie bereits seit 1883 und ab 1939 dann im gesamten Deutschen Reich. Nach dem Krieg führte die Deutsche Bundespost das Geschäft weiter, zuständig waren dafür aber nicht die Postscheck-, sondern eigene Postsparkassenämter.

Mit Girodiensten lässt sich aber heute kaum noch Geld verdienen, auch wenn die Postbank die Gebührenfreiheit ihrer Girokonten beendet hat. Sowohl das Konto Giro direkt als auch der Klassiker Giro Plus kosten nämlich monatlich Geld. Dafür erhalten Kunden beim Giro plus zwölf Freiumschläge, mit denen sie Überweisungsformulare portofrei einsenden können.  Die Bearbeitung, bis vor einigen Jahren noch kostenlos, kostet aber seitdem ebenfalls Geld, nur beleglose Überweisungen (als Online-Überweisungen) sind kostenfrei. Beim Giro direkt gibt es keine Freiumschläge und die Kosten für die Bearbeitung von beleghaften Überweisungen und Schecks sind etwas höher, dafür ist die Monatsgebühr niedriger. Auch das Guthabenkonto Giro Basis kostet Geld, lediglich bei Giro extra plus verzichtet die Bank darauf, sofern monatlich mindestens 3.000,- Euro eingehen.

Deshalb hat die Postbank ihr Produktportfolio längst vergrößert. Sie bietet heute auch Kredite, ein Depot, Bausparverträge ihrer Tochter BHW und Fondssparpläne an. Ein Festgeld gibt es aber nach wie vor nicht. Unsere Postbank Kredit Erfahrungen geben zusätzliche Informationen über die Bank und ihre Produkte.

Zwischenfazit Produkte: Wer ganz klassisch sparen und dafür einen festen Zinssatz erhalten will, dem bleiben nur Sparbuch und Tagesgeld.

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Testkategorie 3: Vertrauen und Einlagensicherung

Die Postbank ist längst weder staatlich noch Teil der Deutschen Post. Vielmehr ist sie heute Eigentum der Deutschen Bank. Die hat zuletzt vor allem mit Skandalen von sich Reden gemacht, trotzdem sind die Einlagen dort relativ sicher. Denn einerseits wird kaum ein Verantwortlicher die Pleite eines so großen Geldhauses zulassen. Und wenn doch, dann sind alle Einlagen doppelt abgesichert.

Postbank Tagesgeld Kontoeröffnung

Die Eröffnung eines Kontos – ob nun Giro oder Tagesgeld – ist bei der Postbank online in vier Schritten erledigt (Quelle: Postbank)

EU-weit müssen Banken 100.000,- Euro je Kunden absichern. In Deutschland gibt es je nach Bankenart unterschiedliche Sicherungssysteme, Genossenschaftsbanken wie die Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen und Privatbanken haben jeweils eigene Organisationen. Alle drei sichern zunächst nur Einlagen bis zur Grenze von 100.000,- Euro, darüber hinaus gibt es wiederum drei freiwillige Einlagensicherungssysteme. Die Deutsche Bank ist Mitglied beim Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Damit sind auch Guthaben über 100.000,- Euro abgesichert.

Zwischenfazit: Die Postbank ist eine Tochter der Deutschen Bank.

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Testkategorie 4: Beratung und Service

Traditionell nutzt die Postbank einerseits die Postämter, andererseits die direkte Kommunikation per Brief. Seit der Trennung von der Deutschen Post AG ist die Sache schwieriger. Nach wie vor vertreiben Postfilialen die Produkte, teilweise hat die Postbank auch eigene Niederlassungen eröffnet oder gar die der Post übernommen. Einige ehemalige Postämter nehmen zwar noch immer Päckchen, Pakete und Briefe an und verkaufen Briefmarken, sind aber eigentlich Niederlassungen der Postbank.

Postbank Tagesgeld Service

Der Kundenservice lässt grundsätzlich keine Wünsche offen – online wie offline (Quelle. Postbank)

Im Internet war die Postbank einst führend. Doch die neue Eigentümerin Deutsche Bank weiß nicht so genau, was sie mit der Erwerbung eigentlich will, da sie ja auch die norisbank besitzt – und zur eigentlichen Adresse für das Direktbanking ausbauen will. Immerhin ist die Postbank rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Und natürlich außer per E-Mail schriftlich auch per Brief.

Zwischenfazit Beratung: Nach wie vor bietet die Postbank neben dem Kontakt per Telefon oder E-Mail auch Filialen.

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Testkategorie 5: Website

Die Website ist an einigen Stellen verwirrend und leider auch zu arm an Informationen. Beispielsweise erhält man einen genauen Blick auf die Konditionen erst, wenn man ein PDF öffnet. Die Website selbst bietet vor allem Werbeaussagen. Teilweise findet man wichtige Informationen auch im PDF nicht, dann verweist die Postbank auf das Preis- und Leistungsverzeichnis.

Postbank Tagesgeld Website

Klassisch und ohne irgendwelche Gimmicks – die offizielle Website der Postbank (Quelle. Postbank)

Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten könnten besser aufbereitet sein. Bei den Girokonten wäre beispielsweise eine Tabelle schön, in der die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte gut dargestellt sind. (Bei einer eventuellen Postbank Störung helfen wir gerne mit hilfreichen Tipps aus.)

Zwischenfazit Website: Die Website ist unübersichtlich, viele Informationen finden sich nur in PDFs versteckt.

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Fazit

Postbank Tagesgeld – Test und ErfahrungenDas Tagesgeld der Postbank gibt es nur in Kombination mit einem Girokonto – und das ist meist kostenpflichtig. Oft ist die Sparcard die bessere Alternative. Dort sind zwar ohne dreimonatige Kündigungsfrist nur 2.000,- Euro verfügbar, dafür kann das Geld aber auch direkt vom Bankautomaten abgehoben werden, vier Mal im Jahr sogar aus dem Ausland.

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Paul Scheuschner

Kredite.org Autor

Paul Scheuschner

Paul ist Autor von Kredite.org und seit der Gründung in 2013 dabei. Sein Finanzwissen basiert auf einer Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, die er von August 2006 - Januar 2009 in Berlin bei der Allianz Versicherung durchlaufen hat. Er hat in dieser Zeit sowohl für die Allianz Versicherung im Innen- und Außendienst, als auch bei der Dresdner Bank (heute Commerzbank) gearbeitet.