Zinsen

Girokonto-Zinsen – Habenzinsen & Sollzinsen im Überblick

Bei Krediten ist der Begriff Zins allgegenwärtig, da das gesamte Angebot darauf aufbaut. Beim Girokonto denkt man dagegen meist nur an die Kontoführungsgebühren und blendet andere Kostenpositionen aus. Allerdings sind besonders die Sollzinsen und Habenzinsen ein Thema, welches beim Girokonto ebenfalls eine tragende Rolle spielen. Wie viel bezahlt man, wenn man das Konto überzieht? Und wie viel bekommt man, wenn man besonders fleißig spart? Welche Tipps gibt es? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Ratgeber.

Was sind Sollzinsen und Habenzinsen genau?

Sollzinsen und Habenzinsen beschreiben Geldbeträge, die beim Girokonto entweder zugunsten oder zu Lasten des Kontoinhabers anfallen. Fangen wir an mit den Sollzinsen: Genau wie beim Kredit Zinsen zusätzlich zur Kreditsumme Zinsen bezahlt werden müssen, sozusagen als Leihgebühr, gibt es diese Zinsen auch beim Girokonto. Diese Zinsen nennt man Sollzinsen, genau wie man einen Minusbetrag in der Bankensprache „Soll" nennt. Sollzinsen fallen beim Girokonto insbesondere für die Überziehung des Kontos bzw. Dispo-Kredite an. Habenzinsen sind auf der anderen Seite eine Belohnung für den Kontoinhaber, wenn er ordentlich gespart hat. Diese Zinsen zahlt die Bank auf das Girokonto aus. Man muss aber dazu sagen, dass die Zinssätze für Habenzinsen grundsätzlich so gering sind, dass die Auszahlungen meist nur Cent-Beträge sind, es sei denn auf dem Konto liegt ein wahres Vermögen. Bessere Habenzinsen gibt es beim Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto.

Steuern sparenSteuern sparen leichtgemacht - kostenloses eBook mit 100 von Experten geprüften Steuertipps

Steuern sparen leicht gemacht – jetzt das kostenlose eBook mit 100 von Experten geprüften Steuertipps herunterladen

Wie werden Sollzinsen beim Girokonto berechnet?

Wie es bei Zinsen üblich ist, werden sie im Zinssatz pro Jahr angegeben. Beim Girokonto gibt es außerdem ein Limit, bis zu dem das Konto maximal überzogen werden darf, damit der im Girokonto-Vertrag vereinbarte Dispo-Zins angewendet wird. Wird dieses Limit überschritten, spricht man von höheren Überziehungszinsen, die aber nur auf den Betrag über das Limit hinaus berechnet werden.

Zinsen bei der DKB-Bank

Zinsen bei der DKB-Bank

 

Hat also eine Bank einen Sollzinssatz von 10 Prozent für ein Girokonto festgelegt und das Konto würde das gesamte Jahr über im Minus stehen, müsste der Kontoinhaber in diesem Jahr zusätzlich 10 Prozent der überzogenen Summe an die Bank zahlen. Die Berechnung der Zinsen erfolgt tageweise mit dem jeweiligen Minusbetrag des Kontos. Man sollte also versuchen, so schnell wie möglich aus dem Minus herauszukommen. Da eine Kontoüberziehung tatsächlich meist nur temporär ist – oft nur wenige Tage – wird der Zinssatz auf die überzogene Summe innerhalb dieses Zeitraums berechnet. Das funktioniert so: Das Zins-Jahr hat im Gegensatz zum normalen Kalenderjahr nur 360 Tage. Rechnerisch nimmt man also die überzogene Summe mal 10 Prozent, dann hat man die Kosten für ein Jahr. Wenn man nur wenige Tage überzogen hat, werden diese Kosten pro Jahr auf genau den Überziehungszeitraum herunter gerechnet. Dafür gibt es eine bestimmte Zinsformel für alle die, die es selbst ausrechnen möchten, was sie eine Überziehung des Girokontos mit Sollzinsen kostet:

Z = ( K * p * t ) / ( 100 * 360 )

Der Zinsaufwand (Z) wird also errechnet, indem man die Überziehungssumme (K) mal den Zinssatz (p) mal die Tage der Überziehung (t) rechnet und das Ergebnis daraus durch das Produkt von 100 mal 360 geteilt. In unserem Beispiel kostet eine Überziehung von 500 Euro (innerhalb des Limits) bei 10 Tagen Überziehungsdauer und 10 Prozent Jahres-Sollzinsen etwa 1,38 Euro. So kann man es sich immer selbst ausrechnen. Sollte man über dem Limit liegen, wird zunächst eine Formel mit dem maximalen Überziehungsbetrag und dem Dispo-Zins ausgefüllt und folgend noch eine Formel mit dem Restbetrag der Überziehung und dem höheren Überziehungszins. Alternativ gibt es im Internet Rechner dafür. Übrigens wird diese Formel aufgrund der Buchstaben-Reihe auch „Kapitänsformel" genannt. Was Sollzinsen bei Krediten angeht, dazu erfährst du mehr in diesem Artikel.

Durch ein spezielles Girokonto, nämlich das Guthabenkonto, können Sie verhindern, dass das Konto ins Minus rutscht und somit diese Sollzinsen umgehen. Diese eignen sich jedoch nur für diejenigen, die kein oder nur ein geringes festes Einkommen haben und leicht ins Minus rutschen können. Vielverdiener müssen sich um ein Minus-Konto in der Regel keine Sorgen machen bzw. können vom Sparkonto kurzfristig etwas umbuchen, wenn der Kontostand knapp wird.

dispo_sparkasse

Wie werden Habenzinsen beim Girokonto berechnet?

Auch der Zinssatz für Habenzinsen wird effektiv pro Jahr angegeben und die Zinsen dann in der Regel einmal jährlich ausgezahlt. Die Berechnung erfolgt genau wie bei den Sollzinsen, ebenfalls tageweise und mit der obenstehenden Formel. Diesmal setzt man den Zinssatz des Habenzins ein, sowie das Vermögen, das aktuell im Plus auf dem Konto liegt. Für Minusbeträge gibt es keine Habenzinsen. Wundern Sie sich nicht über den überaus niedrigen Zinssatz Ihrer Bank, der ist normal. Gewährt die Bank also 0,03 Prozent Habenzins auf das hinterlegte Vermögen und das ganze Jahr über liegen genau 2.000 Euro auf dem Konto, bekommt der Kontoinhaber am Ende des Jahres 0,60 Euro ausgezahlt. Es wird also deutlich, dass die Habenzinsen zum Sparen nicht geeignet sind.

Wer sein Vermögen auf dem Konto besser verzinsen möchte, sollte das nicht gebrauchte Kapital auf ein Tagesgeldkonto statt Girokonto gelegt werden. Hier ist die Verzinsung sehr viel besser, oft sogar über einen Prozent hinaus. Es gibt mit den obigen 2.000 Euro bei 1,2 Prozent Jahreszins also immerhin schon 24,00 Euro. Der Vorteil der Tagesgeldkonten ist, dass das Geld aber (im Gegensatz zu Festgeldkonten) immer sofort verfügbar ist und umgebucht werden kann, sollte man es brauchen. Am Ende des Jahres wird die Summe der Zinsen von allen 360 Tagen des Zinsjahres ausgezahlt.

Zinsen vom Girokonto als Vergleichspunkt nehmen

Geht es gerade darum, ein neues Girokonto zu finden und zu eröffnen, sollten die Soll- und Habenzinsen auf jeden Fall mit verglichen werden und ein Girokonto gewählt werden, bei dem zumindest der Dispo-Zins so niedrig wie möglich ist. Er steht nicht absolut im Vordergrund, denn wichtiger sind andere Kriterien. Aber ein Auge sollte unbedingt drauf geworfen werden. Welche Punkte beim Girokonto-Vergleich noch wichtig sind, haben wir in diesem Ratgeber ausführlich erklärt. Außerdem erklären wir in einem anderen Artikel noch, wie Sie ein Girokonto optimal wechseln.

Fazit: Girokonto-Zinsen

Wenn man die Rechnung versteht, ist es relativ einfach, bei vorliegenden Werten die Soll- oder Habenzinsen selbst zu errechnen. Dafür gibt es auch Rechner. Zudem ist einfach nachzuvollziehen, wann beide Zinsarten zum Einsatz kommen. Das Thema Zinsen wird gern so gut wie möglich umgangen, doch setzt man sich mit der Thematik etwas auseinander, kommt man darin gar nicht schlecht zurecht. Bei den Girokonto-Zinsen ist sie jedenfalls unserer Meinung nach leicht zu verstehen. Ein Punkt, über den vielleicht viele beim Lesen gestolpert sind: Die Sollzinsen von 10 Prozent und mehr hören sich immer schlimmer an, als sie sind – Denn meistens überzieht man das Konto mit höchstens mal ein- bis zweihundert Euro für wenige Tage. Was dabei an Zinsen anfällt, ist tatsächlich marginal und nicht zu vergleichen mit durchaus hohen Kreditzinsen.

Wie hilfreich findest du diesen Artikel?
Bewertung: 0.0 (0 Stimmen)


Eike Kewitz

Chefredakteur Kredite.org

Eike Kewitz

Nach seinem Abitur machte sich Eike unmittelbar als freiberuflicher Texter selbstständig und baute sein Unternehmen selbst während seiner folgenden Vollzeit-Ausbildung im Marketing immer weiter aus. Mittlerweile hat er sich vor allem auf das Ressort Finanzen - Kredite, Konten, Geldanlage - spezialisiert und steuert als Hauptredakteur nun auch für uns regelmäßig News und Ratgeber bei. Neben diesem Portal ist er in weiteren spannenden Projekten involviert.